Gerade ist Hanukka, das jüdische einwöchige Lichterfest bei dem an jedem Abend eine weitere Kerze der Hanukia, ein achtarmiger Leuchter, angezündet wird.
Der Hintergrund dieses Festes ist folgender: die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel durfte niemals erlöschen. Allerdings wurde nach der Zerstörung des ersten Tempels durch die Syrer nur noch ein Krug geweihtes Öl gefunden, das eigentlich für nur gerade mal einen Tag reichen konnte. Allerdings wurden für die Herstellung von neuem Öl acht Tage gebraucht. Wie durch ein Wunder reichte der Krug Öl acht Tage lang bis es neues gab.
Deshalb wird an Hanukka an jedem Abend des Festes eine Kerze der Hanukkia angezündet.
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| Die Hanukkia des Kfars wird angezündet |
Nicht nur das Anzünden von je einer weiteren Kerze am Abend gehört zu Hanukka. Ebenso isst man in dieser einen Woche unglaublich viele Sufganiot (oder auch Berliner) in allen möglichen Variationen (es gibt ganze Bäckereien die in dieser Zeit nur Sufganiot herstellen), trinkt Apfelpunsch und spielt mit dem Dreidel um Schokoladenmünzen.
Der Grund warum es an diesem Fest so viele Sufganiot gibt liegt darin, dass sie in Öl gebacken werden. Generell wird während dieser Zeit insgesamt sehr ölhaltig gegessen.
Der Dreidel ist eine Art Kreisel mit dem vor allem die Kinder an Hanukka um Schokomünzen spielen. Auf den Seiten des Dreidels sind die hebräischen Buchstaben נ (nun), ג (gimel), ה (hei) und פ (pei) abgebildet, welche für den Satz "Nes gadol haja po - ein großes Wunder ist hier geschehen", stehen. Kauft man den Dreidel in einem anderen Land als Israel, so findet man anstelle des Buchstaben פ ein ש (schin), welches den Satz zu "Nes gadol haja scham - ein großes Wunder ist dort geschehen" ändert.
Das Spiel ist wie eine Art Glücksspiel: bevor der Dreidel gedreht wird, rät man welcher Buchstabe wohl oben liegt. Derjenige der richtig liegt bekommt Schokomünzen.
Natürlich haben auch wir im Kfar dieses Fest groß gefeiert, denn neben besonderen Freizeitangeboten - wie zum Beispiel das Dreidelspielen oder eine Fahrt zum Zirkus - gab es eine große Hanukka-Party.
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Der Showbeitrag unserer deutsch-israelischen Volontärsgruppe: ein traditionelles Hanukka-Lied |
Dazu versammelten sich am ersten Hanukka-Abend alle Bewohner, Arbeiter und Volontäre in der Chadar Ochel, dem Sepisesaal des Kfars. Zur Einleitung sprach der Leiter des Kfars einige nette Worte, bevor die Kerzen der Hanukkia nacheinander von verschiedenen Leuten aus dem Kfar angezündet wurden. Jeder dieser Personen hat das Kfar in besonderer Weise geprägt, unter ihnen eine langjährige Sozialarbeiterin, Member, die seit der Gründung des Kfars dort wohnen, stellvertretend für alle deutschen Volontäre Theres und eine Spenderin. Danach gab es ein super organisiertes Programm mit Musikbeiträgen, Tanzauftritten und ein kleiner von den Workshopleitern aufgeführter Sketch. Natürlich begleiteten wir mit unserer Volontärsband auch den Memberchor.
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| Die Volontärsband |
Aber natürlich unsere kleine Musikeinlage mit dem Memberchor auf der Hanukka-Feier des Kfars nicht die Einzige. Ein Tag später fuhren wir nach Ein Hashofet, einem nahegelegenen Kibbuz in dem der Großteil der Workshopleiter und auch Batia, unsere Musikleiterin, wohnen. Für uns eine ganz neue Erfahrung, schließlich gibt es solche Wohnstrukturen in Deutschland nicht. Wir fühlten uns wie auf einer großen Ferienanlage: dort gibt es nämlich auch einen Mittelpunkt, in dem Fall statt der Rezeption den Speisesaal in dem auch viele Feiern der Gemeinschaft stattfinden. Drumherum gibt es viele kleine aber feine Familienhäuser, die Vorgärten und Gartenanlagen sind alle schön hergerichtet und laden zum Verweilen ein. Auch einige Künstler schienen ihren Ideen in der Gestaltung des Kibbuz umgesetzt zu haben - insgesamt sehr beeindrucken und für Familien und ältere Ehepaare ein wunderschöner, ruhiger Ort zum Leben.
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| Der Memberchor |
Die Hanukka-Feier lief ähnlich wie im Kfar ab: neben Musik- und Tanzeinlagen der Kibbuzbewohner wurde natürlich auch dort die Hanukkia angezündet. Und bevor ich es vergesse: natürlich gab es pfannfrische Sufganiot und Apfelpunsch - was wäre eine Hanukka-Feier auch ohne das?