Sonntag, 19. Januar 2014

Ausflug in die Negev-Wüste nach Machtesh Ramon

Ein ganz besonderes und sehr aktuelles Erlebnis war ein zweitägiger Ausflug mit allen deutschen und israelischen Volontären vom Kfar und Eran, unserem Koordinator in die Negev-Wüste, genauer gesagt nach Machtesh Ramon, dem größten Erosionskrater Israels. Früh morgens fuhren wir mit einem vollgepackten Minibus Richtung Negev-Wüste zu einer Campinglodge, wo wir auch die Nacht verbrachten. Dort stärkten wir uns mit einem Lunchpaket von der Küche des Kfars, bevor wir uns mit viel Wasser ausgestattet mit dem Minibus auf den nicht allzu langen Weg zum Anfangspunkt unserer Wanderung machten. Nach nur wenigen Metern begann der anstrengende Aufstieg des Har Ardon (Har = Berg) – über steinerne, schmale „Wege“, die teilweise nur knapp am Abgrund entlang führten, kleineren Bergen und Hügeln. Hier kann man wirklich von unberührter Natur sprechen, denn lediglich die bemalten Steine zeigten uns, dass wir noch auf dem Wanderweg waren. Schon auf dem Weg zum höchsten Punkt des Berges waren wir alle so begeistert, dass wir immer wieder stehen blieben um Fotos zu machen, doch das war nichts im Gegensatz zu dem was wir vom höchsten Punkt aus sahen: viele kleine Berge, Hügel, Sand in vielen verschiedenen Farben – in allem eine wunderschöne und ruhige, endlos-scheinende Landschaft. Und das, obwohl wir grade mal dreieinhalb Stunden Fahrt vom grünen Kiryat Tivon entfernt waren. Man hält es nicht für möglich, dass es so unterschiedliche Landschaften innerhalb weniger hundert Kilometer gibt.
Wir verweilten rund zwei Stunden auf dem Har Ardon, ruhten uns aus, kochten arabischen Kaffee und genossen die Aussicht bei dem wunderschönen Wetter bevor wir den Wanderweg weiterführten, also den Berg wieder hinunter gingen. Eigentlich sagt man ja, dass bergauf immer schlimmer und anstrengender ist als bergab – in diesem Fall ist es umgekehrt. Bergauf war allemal anstrengend und ich hatte mich auf einen „entspannten Spaziergang den Berg hinunter“ eingestellt. Stattdessen musste man nach etwa zwanzig Minuten Wanderung einen derart steilen Steinweg hinunterlaufen, der aufgrund loser Steine und Sand unter den Füßen jeden des öfteren ins Schwanken gebracht hatte, der ein oder andere fiel sogar hin und kam mit kleineren Schrammen davon.
Zurück an der Campinglodge genossen wir zuerst eine erfrischende Dusche, bevor wir uns am Lagerfeuer versammelten, um „Poiker“, unser Abendessen zu machen. Das ist eine Art Eintopf in dem man im Grunde alles hineinwerfen kann bevor es über dem Lagerfeuer gegart wird. Für uns gab es die „harmlose“ Variante mit Fleisch, Gemüse und Rotwein – doch die israelischen Volontäre erzählten uns, dass es viel bessere Poiker gibt, in dem man Cola, Honig oder sogar Chips und Bier hinzufügt. Man soll es dann im Dunkeln essen, da es tatsächlich nicht so gut aussieht als es dann schmeckt – und unsere Poiker-Variation schmeckte in der Tat sehr gut.
Wir verbrachten noch eine Weile am Lagerfeuer bevor wir die Nacht im Beduinenzelt verbrachten. Die Wärme des Tages war mit Einbruch der Dunkelheit dann leider auch verschwunden, weshalb wir alle trotz dicker Kleidung in unseren Schlafsäcken froren.
Am nächsten Tag fuhren wir zum Visitor-Center nach Mitzpe Ramon, wo wir an einer Führung zur Tragödie des Raumschiffes Columbia teilnahmen, bei der auch der erste israelische Astronaut Ilan Ramon ums Leben kam. Nach einer Mittagspause mit Blick auf den Krater fuhren wir müde aber zufrieden wieder zurück.

Der Ausflug hat sich sehr gelohnt, zum ersten Mal hatten wir die Möglichkeit alle zusammen zu verreisen. Sonst können wir nämlich mit den israelischen Volontären nicht zusammen reisen, da sie immer sehr lange und viel arbeiten und an ihren freien Wochenenden nach Hause fahren. So bestehen unsere gemeinsamen Unternehmungen immer aus Abende am Caravan oder in Kiryat Tivon. 




Weihnachten und Silvester

Am Sonntagabend vor Heiligabend veranstalteten wir Volontäre eine kleine Weihnachtsfeier mit Eran und seiner Familie, den israelischen Volontären und einigen Workshopleitern.
Bereits am Vortag kochten und backten wir alle fleißig, sodass wir uns ein richtiges Festmahl gezaubert hatten: neben Flädlesuppe, selbstgebackenem Brot und Tomatenbutter zur Vorspeise gab es ganz traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen, Königinpastete und Rotkohl zur Hauptspeise. Später, nachdem wieder etwas Platz in unseren Mägen war, genossen wir die verschiedenen Backvariationen: Linzer Torte, Äpfel im Schlafrock, Lebkuchen, Pfeffernüsse und Brownietorte.
Wie es an Weihnachten so üblich ist, gab es natürlich auch eine kleine Bescherung mit Orly unserem Weihnachtsengel (eine israelische Volontärin), die uns unsere Wichtelgeschenke überreichte. Und auch Eran hatte kleine lustige Aufmerksamkeiten für jeden von uns bereit gelegt.
Zudem sangen und spielten wir viele Weihnachtslieder. Die Weihnachtsfeier lohnte sich sehr, ein kleines Weihnachtsgefühl schlich sich bei mir ein und auch die israelischen Volontäre waren begeistert von ihrer ersten Weihnachtsfeier.

Am Heiligabend und am 1.Weihnachtstag bekamen alle zwölf Volontäre zusammen frei, also fuhr der Großteil von uns nach Jerusalem.
Dort trafen wir uns mit einigen anderen Volontären von meiner Organisation und gingen zusammen in ein gutes Restaurant, wo wir ein gutes und gemütliches Weihnachtsessen hatten und uns über Neuigkeiten austauschten. Danach gingen wir weiter zur Erlöserkirche, die deutsche evangelische Kirche, in die Christmette, die sehr nett durch das mehrsprachige Vorlesen (deutsch, englisch, hebräisch und arabisch) der Weihnachtsgeschichte gestaltet war. Direkt im Anschluss machten sich alle gemeinsam nach einer kurzen Tee- und Plätzchenpause auf den langen und anstrengenden Weg nach Bethlehem. Das hört sich zunächst sehr besonders und vielleicht sogar etwas romantisch an, war es aber nicht. Statt, wie wir uns vorgestellt hatten, über Hirtenfelder zu laufen, wanderten wir an der Straße entlang bis zum Checkpoint nach Bethlehem. Vor allem die Durchquerung des Checkpoints durch Drehkreuze und Sicherheitsschleusen war alles andere als weihnachtlich. Doch auf der anderen Seite der Mauer tauchte man plötzlich in eine Art Weihnachtswelt ein. Die Häuser und die Straßenbeleuchtungen waren mit Weihnachtslichtern geschmückt und angekommen am Platz an der Geburtskirche fanden wir einen riesigen Weihnachtsbaum.
Nach einer kurzen Andacht und der Besichtigung der Geburtskirche mit Geburtsgrotte machten wir uns auf den Rückweg nach Jerusalem (inzwischen war es schon halb 4 morgens), wo wir nochmal eine Stunde zur Central Bus Station liefen und dort auf unseren Bus zurück nach Hause warteten. Letztendlich lagen wir um 9 Uhr morgens in unseren Betten, dort verbrachten wir auch den ganzen restlichen Morgen und Mittag. Nachmittags machten wir ein kleines Weihnachtskaffee, mit selbstgebackenen Plätzchen aus Deutschland.




An Silvester fuhren wir nach Tel Aviv und feierten dort auf unserer Hostel-Terrasse zusammen mit anderen Volontären ins neue Jahr, bevor wir zum Strand und zum Aussichtspunkt in Jaffo liefen und den Ausblick auf Tel Aviv bei Nacht genossen.






Samstag, 14. Dezember 2013

Die Weihnachtszeit in Israel

Weihnachten in Israel ist ruhig, besinnlich und besonders - denkt man. Eigentlich bekommt man vom ganzen Weihnachtstrubel zumindest hier im Norden Israels so gut wie nichts mit. Wir suchen schon förmlich nach Weihnachten und geben unser Bestes, uns in Weihnachtsstimmung zu begeben.

Daher haben wir unsere Wohnung schön weihnachtlich geschmückt, Adventskalender aufgestellt und sogar einen selbstgebastelten Adventskranz haben wir dank Malin auf unserem Wohnzimmertisch stehen. An manchen Abenden machen wir uns in unserer Volo-Runde Glühwein und essen dazu selbstgebackene Plätzchen.
Unglaublich gemütlich - während es draußen seit etwa einer Woche den ganzen Tag regnet, zudem ist es kalt, stürmisch und schlichtweg ungemütlich. Immerhin das Wetter erinnert also an ein schneefreies Weihnachten in Deutschland.

Wo ich gerade beim Schnee bin: dieses Wochenende gab es Schnee in Jerusalem! - und davon nicht wenig...
Eigentlich wollte ich zusammen mit Theresia an diesem Wochenende nach Jerusalem fahren und vielleicht auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Dafür hatte ich extra meinen Dienst getauscht und auch Theresia hatte sich Urlaub genommen. Einige Tage vorher wurde schon im Wetterbericht für Jerusalem Schnee angesagt, weshalb wir uns noch ein wenig mehr freuten, immerhin ist es schon was Besonderes die Heilige Stadt im Schnee zu sehen. So wie der Wetterbericht angekündigt hatte, fing es dann am Donnerstag an zu schneien - es schneite den ganzen Tag durch, die Medien sprachen sogar von einem "Schneetsunami". Und das ist nicht unbedingt übertrieben: es blieb etwa einen halben Meter hoher Schnee liegen - und damit auch das gesamte Verkehrsnetz. Der Highway, der nach Jerusalem führt wurde komplett gesperrt, Busse fuhren nicht mehr dorthin. So mussten wir unseren geplanten Ausflug also absagen. Gut für uns, denn die anderen Volontäre, die freitags nicht arbeiten müssen, nahmen am Donnerstagabend einen Bus nach Jerusalem - ohne zu wissen, dass dort so ein Schneechaos ist. Letztendlich haben verbrachten sie die Nacht 12 Stunden im Bus und mussten dazu noch eine halbe Stunde durch das Schneegestöber zum nächstbesten Hotel laufen. Die Straßenbahn fiel aus und man konnte nicht ein Bus oder Auto auf den Straßen sehen. Fast alle Geschäfte hatten geschlossen und auch die Schulen blieben zu. Für so viel Schnee ist man hier in Israel einfach nicht vorbereitet, es gibt keinen Winterdienst der die Straßen räumt oder Salz streut. Hier muss man schlichtweg warten, bis es vorbei ist.

So blieben wir hier, backten Plätzchen und Äpfel im Schlafrock, tranken Glühwein und schauten Filme. Statt Schnee, gab es hier Unmengen an Regen, Gewitter und Stürme - zudem war es extrem kalt, sodass man freiwillig nicht vor die Tür gegangen ist. Zwischendurch hatten wir zweimal für etwa eine Stunde im ganzen Wohngebiet Stromausfall.


Als "Alternativprogramm" sind wir heute Nachmittag nach Nazareth gefahren, wo wir auf den Weihnachtsmarkt gehen wollten - eigentlich! Schon vor Wochen wurde im Internet ein Weihnachtsmarkt in Nazareth angekündigt, der vom 11. - 15. Dezember vor der griechisch-orthodoxen Verkündigungskirche stattfinden sollte. Doch das einzige das wir dort sahen, war ein großer, geschmückter Weihnachtsbaum. Dann wurde uns erklärt, dass der Weihnachtsmarkt wegen dem Wetter auf die nächste Woche verschoben wurde. Nach einer Falafel fuhren wir dann - etwas enttäuscht - wieder zurück.


Kurz nach unserer Rückkehr kamen dann die anderen Volontäre unterkühlt und übermüdet mit einem Sonderzug aus Jerusalem wieder.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Ani ohevet Hanukka

Gerade ist Hanukka, das jüdische einwöchige Lichterfest bei dem an jedem Abend eine weitere Kerze der Hanukia, ein achtarmiger Leuchter, angezündet wird.

Der Hintergrund dieses Festes ist folgender: die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel durfte niemals erlöschen. Allerdings wurde nach der Zerstörung des ersten Tempels durch die Syrer nur noch ein Krug geweihtes Öl gefunden, das eigentlich für nur gerade mal einen Tag reichen konnte. Allerdings wurden für die Herstellung von neuem Öl acht Tage gebraucht. Wie durch ein Wunder reichte der Krug Öl acht Tage lang bis es neues gab.
Deshalb wird an Hanukka an jedem Abend des Festes eine Kerze der Hanukkia angezündet.

Die Hanukkia des Kfars wird angezündet
Nicht nur das Anzünden von je einer weiteren Kerze am Abend gehört zu Hanukka. Ebenso isst man in dieser einen Woche unglaublich viele Sufganiot (oder auch Berliner) in allen möglichen Variationen (es gibt ganze Bäckereien die in dieser Zeit nur Sufganiot herstellen), trinkt Apfelpunsch und spielt mit dem Dreidel um Schokoladenmünzen.
Der Grund warum es an diesem Fest so viele Sufganiot gibt liegt darin, dass sie in Öl gebacken werden. Generell wird während dieser Zeit insgesamt sehr ölhaltig gegessen.

Der Dreidel ist eine Art Kreisel mit dem vor allem die Kinder an Hanukka um Schokomünzen spielen. Auf den Seiten des Dreidels sind die hebräischen Buchstaben נ (nun), ג (gimel), ה (hei) und פ (pei) abgebildet, welche für den Satz "Nes gadol haja po - ein großes Wunder ist hier geschehen", stehen. Kauft man den Dreidel in einem anderen Land als Israel, so findet man anstelle des Buchstaben פ ein ש (schin), welches den Satz zu "Nes gadol haja scham - ein großes Wunder ist dort geschehen" ändert.
Das Spiel ist wie eine Art Glücksspiel: bevor der Dreidel gedreht wird, rät man welcher Buchstabe wohl oben liegt. Derjenige der richtig liegt bekommt Schokomünzen.

Natürlich haben auch wir im Kfar dieses Fest groß gefeiert, denn neben besonderen Freizeitangeboten - wie zum Beispiel das Dreidelspielen oder eine Fahrt zum Zirkus - gab es eine große Hanukka-Party.
Der Showbeitrag unserer deutsch-israelischen Volontärsgruppe:
ein traditionelles Hanukka-Lied
Dazu versammelten sich am ersten Hanukka-Abend alle Bewohner, Arbeiter und Volontäre in der Chadar Ochel, dem Sepisesaal des Kfars. Zur Einleitung sprach der Leiter des Kfars einige nette Worte, bevor die Kerzen der Hanukkia nacheinander von verschiedenen Leuten aus dem Kfar angezündet wurden. Jeder dieser Personen hat das Kfar in besonderer Weise geprägt, unter ihnen eine langjährige Sozialarbeiterin, Member, die seit der Gründung des Kfars dort wohnen, stellvertretend für alle deutschen Volontäre Theres und eine Spenderin. Danach gab es ein super organisiertes Programm mit Musikbeiträgen, Tanzauftritten und ein kleiner von den Workshopleitern aufgeführter Sketch. Natürlich begleiteten wir mit unserer Volontärsband auch den Memberchor.

Die Volontärsband
Aber natürlich unsere kleine Musikeinlage mit dem Memberchor auf der Hanukka-Feier des Kfars nicht die Einzige. Ein Tag später fuhren wir nach Ein Hashofet, einem nahegelegenen Kibbuz in dem der Großteil der Workshopleiter und auch Batia, unsere Musikleiterin, wohnen. Für uns eine ganz neue Erfahrung, schließlich gibt es solche Wohnstrukturen in Deutschland nicht. Wir fühlten uns wie auf einer großen Ferienanlage: dort gibt es nämlich auch einen Mittelpunkt, in dem Fall statt der Rezeption den Speisesaal in dem auch viele Feiern der Gemeinschaft stattfinden. Drumherum gibt es viele kleine aber feine Familienhäuser, die Vorgärten und Gartenanlagen sind alle schön hergerichtet und laden zum Verweilen ein. Auch einige Künstler schienen ihren Ideen in der Gestaltung des Kibbuz umgesetzt zu haben - insgesamt sehr beeindrucken und für Familien und ältere Ehepaare ein wunderschöner, ruhiger Ort zum Leben.
Der Memberchor
Die Hanukka-Feier lief ähnlich wie im Kfar ab: neben Musik- und Tanzeinlagen der Kibbuzbewohner wurde natürlich auch dort die Hanukkia angezündet. Und bevor ich es vergesse: natürlich gab es pfannfrische Sufganiot und Apfelpunsch - was wäre eine Hanukka-Feier auch ohne das?







Montag, 2. Dezember 2013

Tel Aviv

Nachdem wir einige Wochenenden bei uns "Zuhause" in Kiryat Tivon verbracht und hier ein bisschen die Umgebung erkundet hatten, fuhren wir letztes Wochenende nach Tel Aviv, um zwei Freiwillige von einem anderen Projekt zu besuchen.
Wir verbrachten einen ruhigen Freitagabend und Shabbat in Ramat Ha-Sharon, ein Vorort von Tel Aviv in dem die beiden wohnen, bevor wir uns am Sonntag frühmorgens auf den Weg ins Zentrum von Tel Aviv machten, um die Stadt zu erkunden.

Bisher kannte ich von Tel Aviv nur den Strand und aus der Erinnerung von vor vier Jahren auch ein wenig von der Altstadt von Jaffo, ich war also begeistert - und das nicht nur von den vielen schönen Hochhäusern. Nicht umsonst wird diese Stadt auch als das New York des Nahen Ostens bezeichnet.



Tel Aviv ist eine der wenigen Städte Israels in der wirklich Fahrrad gefahren wird um von A nach B zu kommen, es gibt sogar Fahrradstationen bei denen man sich gegen etwas Kleingeld für je eine halbe Stunde Fahrräder ausleihen kann - für mich ein kleiner Glücksmoment, da ich seit meiner Abreise nicht einmal wieder gefahren war. Blöd nur, dass wir das System nicht ganz verstanden hatten und daher das Fahrradfahren auf das nächste Mal verschoben hatten.

Nachdem wir die Promenade am Rothschild-Boulevard entlang geschlendert waren, stärkten wir uns mit einem guten Frühstück in einem der Cafés.

Danach gingen wir zum Karmeliten-Markt, bestehend aus einem Handarbeitsmarkt und einer Art arabischen Markts. Auf dem Handarbeitsmarkt verkauften Handwerker, Goldschmiede, Glasbläser (...etc) ihre Produkte, wobei wir auf dem arabischen Markt hauptsächlich frisches Obst, Gemüse, getrocknete Früchte und verschiedene Souvenirs finden konnten.
Neben exotischen Früchten, wie Maracuja, Pomela, Sternfrucht, Drachenfrucht usw, gab es sogar frische Erdbeeren - und das am 1. Dezember!

die schmalen Gassen der Altstadt von Jaffo
Nach einem kleinen Rundgang durch das künstlerische Stadtviertel Neve Tsedek, gingen wir am Strand entlang nach Jaffo, wo man in einem eher touristisch angelegten "Garten" eine wunderschöne Sicht auf die Skyline von Tel Aviv hat. Außerdem gingen wir über einen Teil vom Flohmarkt von Jaffo - neben kleinen Ständen mit Schmuck und Keramik, gibt es dort viele Second-Hand-Läden und alte Möbel.
Wir hätten gerne mehr Zeit dort verbracht, aber da wir seit frühem Morgen mit unseren nicht leichten Rucksäcken unterwegs und daher unglaublich müde waren, fuhren wir am späten Nachmittag wieder zurück.

Montag, 18. November 2013

Seminar in Jerusalem

Anfang November hatten wir unser erstes kleines Seminar in Jerusalem, zum ersten Mal gab es also ein Wiedersehen der ganzen Gruppe.

Das Thema des Seminars war: "Politische Einblicke rund um Jerusalem" - ein sehr umfangreiches, aber sehr interessantes Thema.

Natürlich tauschten wir uns reichlich über unsere ersten Wochen in unseren Projekten aus und bekamen einen kleinen Überblick von der Arbeit der anderen, mit all den Vorteilen aber auch Problemen in den Einsatzstellen. Insgesamt hatten wir eine Menge Spaß und bekamen viele neue Eindrücke und Informationen bezüglich der Konfliktsituation hier in Israel, vor allem war es auch einfach mal eine Abwechslung zum normalen Arbeitsalltag. 

Unser Seminar wurde von einer Referentin begleitet, die uns zum Einstieg erst durch einen Vortrag alle wichtigen Hintergrundinformationen zum Konflikt schilderte.
Am nächsten Tag führte sie uns zuerst durch die Jerusalemer Altstadt, zum Tempelberg und zur Klagemauer, wo wir einen ganz besonderen Moment miterleben durften:
An der Klagemauer beteten Reformjüdinnen, die wie die jüdischen Männer eine Kipa und einen Gebetsschal tragen. Sie wollen in der Religion als gleichberechtigt angesehen werden und auch solche jüdischen Symbole wie die Männer tragen dürfen. Bis vor einigen Monaten war es ihnen gesetzlich verboten an der Klagemauer zu beten, doch nach der Wiederaufnahme der Gerichtsverhandlungen gelang es ihnen, ihre Rechte durchzusetzen. An diesem Tag war das 25-jährige Jubiläum dieser Frauen, wodurch viele dieser Frauen zur Klagemauer kamen um religiöse Lieder zu singen und zu beten. Da die (ultra)orthodoxen Juden dies überhaupt nicht mit ihrer Sichtweise vereinbaren können, gab es dementsprechenden Widerstand. Zur Sicherheit der Frauen waren junge Armeedienstleistende eingesetzt.
Vor der Seite der Frauen waren auch männliche Sympathisanten die kräftig mitsangen, dahingegen machten die orthodoxen Juden viel Lärm.
Danach gingen wir ins jüdische Viertel, wo wir unter anderem auch eine Synagoge besichtigten.

Am Nachmittag hatten wir eine ganz besondere politische Führung zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt. Wir fuhren zur Mauer in Ostjerusalem, wo wir auch aufgesprengte Teile der Mauer entdeckten: Versuche der Flucht aus Palästina nach Israel. Wo einst eine der Hauptverkehrsstraßen Ostjerusalems war, ragt nun eine gewaltige Mauer mitten auf der Straße empor. Um auf die andere Seite der Mauer zu gelangen, brauchten wir rund zwanzig Minuten Fahrt mit dem Bus. Um ein oder zwei Meter voran zu kommen.
Der Blick auf eine israelische Siedlung









Außerdem fuhren wir durch eine der größten israelischen Siedlungen in Palästina, die auf mich den Eindruck einer riesigen Hotelanlage machte. Bepflanzte Mittelstreifen auf den Straßen, Kreisverkehre mit Springbrunnen und Rasen - und das mitten in der Wüste. Auf der einen Seite eine großartige Leistung, betrachtet man aber auf der anderen Seite die generelle Wasserknappheit in Israel ist das doch eher befremdlich. Zudem war ich mir vorher nicht bewusst wie groß die Siedlungen sind, wenn man bei 300.000 Einwohnern überhaupt noch von einer Siedlung reden kann.
Gerade von diesem Teil des Seminars konnte ich viel neues lernen, es zeigte mir, wie gegenwärtig der Konflikt ist.

Auf dem Rückweg nach Kiryat Tivon zusammen mit den Tabgha-Volontären machten wir DEN Ausflug, bei dem sich so gut wie jedes Mädchen egal wo direkt heimisch fühlt: wir fuhren nach IKEA!




Dienstag, 5. November 2013

Olivenernte in Beit Emmaus

Der Oktober ist der Monat in dem die Olivenernte beginnt. Deshalb nutzten Mimi und ich an einem Wochenende Ende Oktober unsere freie Zeit, um auf den Olivenfeldern in Beit Emmaus, einer anderen Projektstelle des DVHL in Palästina, zu helfen. 

Beit Emmaus ist ein Alten- und Pflegeheim für palästinensische Frauen, das von deutschen Ordensschwestern geleitet wird und auf dessen riesigen Grundstück rund 600 Olivenbäume stehen. Da alle 600 Olivenbäume ab Oktober bis Ende November/Anfang Dezember geerntet werden müssen, haben die zwei deutschen Volontäre und ihr Chef einiges zu tun und sind auf die Hilfe aller Freiwilligen angewiesen.
Es gibt noch drei weibliche Volontäre, diese arbeiten allerdings auf der Station im Altenheim. 
Also nahmen wir nach Arbeitsende am Freitag den letzten Bus nach Jerusalem und einen weiteren Bus von dort aus, der uns bis zum Checkpoint fuhr bevor alle Busverbindungen wegen des Shabbats mal wieder eingestellt wurden. Ein wenig eingeschüchtert von der Mauer, den vielen Zäunen und Soldaten liefen wir über den Checkpoint in die West Bank - ein komisches Gefühl, da wurde uns die brisante politische Situation erstmals deutlich. Und trotzdem liefen einige Palästinenser wie selbstverständlich über die Grenze, einige führten uns sogar durch das Labyrinth von Zäunen. 
Von dort aus nahmen wir einen Scherut nach Quebeibeh, der uns direkt bis vor die Tür von Beit Emmaus fuhr. Ein Glück, sonst hätten wir den Weg nie gefunden. 

Neben uns waren drei andere Freiwillige aus einer Projektstelle in Jerusalem und zwei Studenten der Dormitio-Abtei übers Wochenende zur Olivenernte dorthin gekommen. 

Nach einer Nacht und einem guten deutschen Frühstück - das Essen in Beit Emmaus ist wahrscheinlich das Beste von allen Projektstellen - machten wir uns allesamt  mit dem Trecker auf dem Weg zu den Olivenfeldern. Also nachdem wir unsere Arbeitskleidung angezogen hatten: alte OP-Klamotten. Man glaubt es kaum, aber für die Arbeit unglaublich praktisch und bequem. 






Auf dem Olivenfeld merkten wir dann schon einen großen Unterschied zwischen Israel und Palästina, was die Müllentsorgung betrifft. Dass die Straßen mit Müll übersät sind, hatten wir schon am Tag vorher gemerkt und waren zwar schockiert, hatten es aber so hingenommen. Doch auf dem Olivenfeld fanden wir dann neben Steinen und Ästen auch Knochen, ganze Wirbelsäulen, Schädel und Zähne von irgendwelchen Tieren. Dann wurde uns erklärt, dass die Menschen ihre toten Tiere halt immer auf den Feldern verteilen, manchmal mit anderem Müll verbrennen. 
Wir verbrachten einen schönen, aber doch anstrengenden Tag auf dem Olivenfeld - natürlich mit ausreichenden (Essens-)Pausen, die wir dank der guten Küche richtig genossen haben. Das Olivenernten hat auch echt Spaß gemacht, wir mussten manchmal auf Bäume klettern, um an hohe Äste heran zu kommen, wobei nicht immer die Bäume unbeschädigt blieben. Insgesamt ernteten wir mit zwölf Leuten an diesem Tag sieben Säcke Oliven von etwa zwölf Bäumen - unser Einsatz hat sich also wirklich gelohnt. 
Ein Tag, der es wert war, ich könnte es mir aber auf keinen Fall vorstellen weitere zehn Wochen Tag für Tag Oliven zu ernten, wie es die zwei Volontäre dort nun machen. 

Nach dem Abendessen wurden wir von einer Schwester freundlicherweise mit dem Auto über den Checkpoint gefahren und verbrachten den restlichen Abend und den Sonntag gemütlich in Jerusalem.