Montag, 18. November 2013

Seminar in Jerusalem

Anfang November hatten wir unser erstes kleines Seminar in Jerusalem, zum ersten Mal gab es also ein Wiedersehen der ganzen Gruppe.

Das Thema des Seminars war: "Politische Einblicke rund um Jerusalem" - ein sehr umfangreiches, aber sehr interessantes Thema.

Natürlich tauschten wir uns reichlich über unsere ersten Wochen in unseren Projekten aus und bekamen einen kleinen Überblick von der Arbeit der anderen, mit all den Vorteilen aber auch Problemen in den Einsatzstellen. Insgesamt hatten wir eine Menge Spaß und bekamen viele neue Eindrücke und Informationen bezüglich der Konfliktsituation hier in Israel, vor allem war es auch einfach mal eine Abwechslung zum normalen Arbeitsalltag. 

Unser Seminar wurde von einer Referentin begleitet, die uns zum Einstieg erst durch einen Vortrag alle wichtigen Hintergrundinformationen zum Konflikt schilderte.
Am nächsten Tag führte sie uns zuerst durch die Jerusalemer Altstadt, zum Tempelberg und zur Klagemauer, wo wir einen ganz besonderen Moment miterleben durften:
An der Klagemauer beteten Reformjüdinnen, die wie die jüdischen Männer eine Kipa und einen Gebetsschal tragen. Sie wollen in der Religion als gleichberechtigt angesehen werden und auch solche jüdischen Symbole wie die Männer tragen dürfen. Bis vor einigen Monaten war es ihnen gesetzlich verboten an der Klagemauer zu beten, doch nach der Wiederaufnahme der Gerichtsverhandlungen gelang es ihnen, ihre Rechte durchzusetzen. An diesem Tag war das 25-jährige Jubiläum dieser Frauen, wodurch viele dieser Frauen zur Klagemauer kamen um religiöse Lieder zu singen und zu beten. Da die (ultra)orthodoxen Juden dies überhaupt nicht mit ihrer Sichtweise vereinbaren können, gab es dementsprechenden Widerstand. Zur Sicherheit der Frauen waren junge Armeedienstleistende eingesetzt.
Vor der Seite der Frauen waren auch männliche Sympathisanten die kräftig mitsangen, dahingegen machten die orthodoxen Juden viel Lärm.
Danach gingen wir ins jüdische Viertel, wo wir unter anderem auch eine Synagoge besichtigten.

Am Nachmittag hatten wir eine ganz besondere politische Führung zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt. Wir fuhren zur Mauer in Ostjerusalem, wo wir auch aufgesprengte Teile der Mauer entdeckten: Versuche der Flucht aus Palästina nach Israel. Wo einst eine der Hauptverkehrsstraßen Ostjerusalems war, ragt nun eine gewaltige Mauer mitten auf der Straße empor. Um auf die andere Seite der Mauer zu gelangen, brauchten wir rund zwanzig Minuten Fahrt mit dem Bus. Um ein oder zwei Meter voran zu kommen.
Der Blick auf eine israelische Siedlung









Außerdem fuhren wir durch eine der größten israelischen Siedlungen in Palästina, die auf mich den Eindruck einer riesigen Hotelanlage machte. Bepflanzte Mittelstreifen auf den Straßen, Kreisverkehre mit Springbrunnen und Rasen - und das mitten in der Wüste. Auf der einen Seite eine großartige Leistung, betrachtet man aber auf der anderen Seite die generelle Wasserknappheit in Israel ist das doch eher befremdlich. Zudem war ich mir vorher nicht bewusst wie groß die Siedlungen sind, wenn man bei 300.000 Einwohnern überhaupt noch von einer Siedlung reden kann.
Gerade von diesem Teil des Seminars konnte ich viel neues lernen, es zeigte mir, wie gegenwärtig der Konflikt ist.

Auf dem Rückweg nach Kiryat Tivon zusammen mit den Tabgha-Volontären machten wir DEN Ausflug, bei dem sich so gut wie jedes Mädchen egal wo direkt heimisch fühlt: wir fuhren nach IKEA!




Dienstag, 5. November 2013

Olivenernte in Beit Emmaus

Der Oktober ist der Monat in dem die Olivenernte beginnt. Deshalb nutzten Mimi und ich an einem Wochenende Ende Oktober unsere freie Zeit, um auf den Olivenfeldern in Beit Emmaus, einer anderen Projektstelle des DVHL in Palästina, zu helfen. 

Beit Emmaus ist ein Alten- und Pflegeheim für palästinensische Frauen, das von deutschen Ordensschwestern geleitet wird und auf dessen riesigen Grundstück rund 600 Olivenbäume stehen. Da alle 600 Olivenbäume ab Oktober bis Ende November/Anfang Dezember geerntet werden müssen, haben die zwei deutschen Volontäre und ihr Chef einiges zu tun und sind auf die Hilfe aller Freiwilligen angewiesen.
Es gibt noch drei weibliche Volontäre, diese arbeiten allerdings auf der Station im Altenheim. 
Also nahmen wir nach Arbeitsende am Freitag den letzten Bus nach Jerusalem und einen weiteren Bus von dort aus, der uns bis zum Checkpoint fuhr bevor alle Busverbindungen wegen des Shabbats mal wieder eingestellt wurden. Ein wenig eingeschüchtert von der Mauer, den vielen Zäunen und Soldaten liefen wir über den Checkpoint in die West Bank - ein komisches Gefühl, da wurde uns die brisante politische Situation erstmals deutlich. Und trotzdem liefen einige Palästinenser wie selbstverständlich über die Grenze, einige führten uns sogar durch das Labyrinth von Zäunen. 
Von dort aus nahmen wir einen Scherut nach Quebeibeh, der uns direkt bis vor die Tür von Beit Emmaus fuhr. Ein Glück, sonst hätten wir den Weg nie gefunden. 

Neben uns waren drei andere Freiwillige aus einer Projektstelle in Jerusalem und zwei Studenten der Dormitio-Abtei übers Wochenende zur Olivenernte dorthin gekommen. 

Nach einer Nacht und einem guten deutschen Frühstück - das Essen in Beit Emmaus ist wahrscheinlich das Beste von allen Projektstellen - machten wir uns allesamt  mit dem Trecker auf dem Weg zu den Olivenfeldern. Also nachdem wir unsere Arbeitskleidung angezogen hatten: alte OP-Klamotten. Man glaubt es kaum, aber für die Arbeit unglaublich praktisch und bequem. 






Auf dem Olivenfeld merkten wir dann schon einen großen Unterschied zwischen Israel und Palästina, was die Müllentsorgung betrifft. Dass die Straßen mit Müll übersät sind, hatten wir schon am Tag vorher gemerkt und waren zwar schockiert, hatten es aber so hingenommen. Doch auf dem Olivenfeld fanden wir dann neben Steinen und Ästen auch Knochen, ganze Wirbelsäulen, Schädel und Zähne von irgendwelchen Tieren. Dann wurde uns erklärt, dass die Menschen ihre toten Tiere halt immer auf den Feldern verteilen, manchmal mit anderem Müll verbrennen. 
Wir verbrachten einen schönen, aber doch anstrengenden Tag auf dem Olivenfeld - natürlich mit ausreichenden (Essens-)Pausen, die wir dank der guten Küche richtig genossen haben. Das Olivenernten hat auch echt Spaß gemacht, wir mussten manchmal auf Bäume klettern, um an hohe Äste heran zu kommen, wobei nicht immer die Bäume unbeschädigt blieben. Insgesamt ernteten wir mit zwölf Leuten an diesem Tag sieben Säcke Oliven von etwa zwölf Bäumen - unser Einsatz hat sich also wirklich gelohnt. 
Ein Tag, der es wert war, ich könnte es mir aber auf keinen Fall vorstellen weitere zehn Wochen Tag für Tag Oliven zu ernten, wie es die zwei Volontäre dort nun machen. 

Nach dem Abendessen wurden wir von einer Schwester freundlicherweise mit dem Auto über den Checkpoint gefahren und verbrachten den restlichen Abend und den Sonntag gemütlich in Jerusalem.