Sonntag, 19. Januar 2014

Ausflug in die Negev-Wüste nach Machtesh Ramon

Ein ganz besonderes und sehr aktuelles Erlebnis war ein zweitägiger Ausflug mit allen deutschen und israelischen Volontären vom Kfar und Eran, unserem Koordinator in die Negev-Wüste, genauer gesagt nach Machtesh Ramon, dem größten Erosionskrater Israels. Früh morgens fuhren wir mit einem vollgepackten Minibus Richtung Negev-Wüste zu einer Campinglodge, wo wir auch die Nacht verbrachten. Dort stärkten wir uns mit einem Lunchpaket von der Küche des Kfars, bevor wir uns mit viel Wasser ausgestattet mit dem Minibus auf den nicht allzu langen Weg zum Anfangspunkt unserer Wanderung machten. Nach nur wenigen Metern begann der anstrengende Aufstieg des Har Ardon (Har = Berg) – über steinerne, schmale „Wege“, die teilweise nur knapp am Abgrund entlang führten, kleineren Bergen und Hügeln. Hier kann man wirklich von unberührter Natur sprechen, denn lediglich die bemalten Steine zeigten uns, dass wir noch auf dem Wanderweg waren. Schon auf dem Weg zum höchsten Punkt des Berges waren wir alle so begeistert, dass wir immer wieder stehen blieben um Fotos zu machen, doch das war nichts im Gegensatz zu dem was wir vom höchsten Punkt aus sahen: viele kleine Berge, Hügel, Sand in vielen verschiedenen Farben – in allem eine wunderschöne und ruhige, endlos-scheinende Landschaft. Und das, obwohl wir grade mal dreieinhalb Stunden Fahrt vom grünen Kiryat Tivon entfernt waren. Man hält es nicht für möglich, dass es so unterschiedliche Landschaften innerhalb weniger hundert Kilometer gibt.
Wir verweilten rund zwei Stunden auf dem Har Ardon, ruhten uns aus, kochten arabischen Kaffee und genossen die Aussicht bei dem wunderschönen Wetter bevor wir den Wanderweg weiterführten, also den Berg wieder hinunter gingen. Eigentlich sagt man ja, dass bergauf immer schlimmer und anstrengender ist als bergab – in diesem Fall ist es umgekehrt. Bergauf war allemal anstrengend und ich hatte mich auf einen „entspannten Spaziergang den Berg hinunter“ eingestellt. Stattdessen musste man nach etwa zwanzig Minuten Wanderung einen derart steilen Steinweg hinunterlaufen, der aufgrund loser Steine und Sand unter den Füßen jeden des öfteren ins Schwanken gebracht hatte, der ein oder andere fiel sogar hin und kam mit kleineren Schrammen davon.
Zurück an der Campinglodge genossen wir zuerst eine erfrischende Dusche, bevor wir uns am Lagerfeuer versammelten, um „Poiker“, unser Abendessen zu machen. Das ist eine Art Eintopf in dem man im Grunde alles hineinwerfen kann bevor es über dem Lagerfeuer gegart wird. Für uns gab es die „harmlose“ Variante mit Fleisch, Gemüse und Rotwein – doch die israelischen Volontäre erzählten uns, dass es viel bessere Poiker gibt, in dem man Cola, Honig oder sogar Chips und Bier hinzufügt. Man soll es dann im Dunkeln essen, da es tatsächlich nicht so gut aussieht als es dann schmeckt – und unsere Poiker-Variation schmeckte in der Tat sehr gut.
Wir verbrachten noch eine Weile am Lagerfeuer bevor wir die Nacht im Beduinenzelt verbrachten. Die Wärme des Tages war mit Einbruch der Dunkelheit dann leider auch verschwunden, weshalb wir alle trotz dicker Kleidung in unseren Schlafsäcken froren.
Am nächsten Tag fuhren wir zum Visitor-Center nach Mitzpe Ramon, wo wir an einer Führung zur Tragödie des Raumschiffes Columbia teilnahmen, bei der auch der erste israelische Astronaut Ilan Ramon ums Leben kam. Nach einer Mittagspause mit Blick auf den Krater fuhren wir müde aber zufrieden wieder zurück.

Der Ausflug hat sich sehr gelohnt, zum ersten Mal hatten wir die Möglichkeit alle zusammen zu verreisen. Sonst können wir nämlich mit den israelischen Volontären nicht zusammen reisen, da sie immer sehr lange und viel arbeiten und an ihren freien Wochenenden nach Hause fahren. So bestehen unsere gemeinsamen Unternehmungen immer aus Abende am Caravan oder in Kiryat Tivon. 




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