Ein
ganz besonderes und sehr aktuelles Erlebnis war ein zweitägiger
Ausflug mit allen deutschen und israelischen Volontären vom Kfar und
Eran, unserem Koordinator in die Negev-Wüste, genauer gesagt nach
Machtesh Ramon, dem größten Erosionskrater Israels. Früh morgens
fuhren wir mit einem vollgepackten Minibus Richtung Negev-Wüste zu
einer Campinglodge, wo wir auch die Nacht verbrachten. Dort stärkten
wir uns mit einem Lunchpaket von der Küche des Kfars, bevor wir uns
mit viel Wasser ausgestattet mit dem Minibus auf den nicht allzu
langen Weg zum Anfangspunkt unserer Wanderung machten. Nach nur
wenigen Metern begann der anstrengende Aufstieg des Har Ardon (Har =
Berg) – über steinerne, schmale „Wege“, die teilweise nur
knapp am Abgrund entlang führten, kleineren Bergen und Hügeln. Hier
kann man wirklich von unberührter Natur sprechen, denn lediglich die
bemalten Steine zeigten uns, dass wir noch auf dem Wanderweg waren.
Schon auf dem Weg zum höchsten Punkt des Berges waren wir alle so
begeistert, dass wir immer wieder stehen blieben um Fotos zu machen,
doch das war nichts im Gegensatz zu dem was wir vom höchsten Punkt
aus sahen: viele kleine Berge, Hügel, Sand in vielen verschiedenen
Farben – in allem eine wunderschöne und ruhige, endlos-scheinende
Landschaft. Und das, obwohl wir grade mal dreieinhalb Stunden Fahrt
vom grünen Kiryat Tivon entfernt waren. Man hält es nicht für
möglich, dass es so unterschiedliche Landschaften innerhalb weniger
hundert Kilometer gibt.

Wir
verweilten rund zwei Stunden auf dem Har Ardon, ruhten uns aus,
kochten arabischen Kaffee und genossen die Aussicht bei dem
wunderschönen Wetter bevor wir den Wanderweg weiterführten, also
den Berg wieder hinunter gingen. Eigentlich sagt man ja, dass bergauf
immer schlimmer und anstrengender ist als bergab – in diesem Fall
ist es umgekehrt. Bergauf war allemal anstrengend und ich hatte mich
auf einen „entspannten Spaziergang den Berg hinunter“
eingestellt. Stattdessen musste man nach etwa zwanzig Minuten
Wanderung einen derart steilen Steinweg hinunterlaufen, der aufgrund
loser Steine und Sand unter den Füßen jeden des öfteren ins
Schwanken gebracht hatte, der ein oder andere fiel sogar hin und kam
mit kleineren Schrammen davon.

Zurück
an der Campinglodge genossen wir zuerst eine erfrischende Dusche,
bevor wir uns am Lagerfeuer versammelten, um „Poiker“, unser
Abendessen zu machen. Das ist eine Art Eintopf in dem man im Grunde
alles hineinwerfen kann bevor es über dem Lagerfeuer gegart wird.
Für uns gab es die „harmlose“ Variante mit Fleisch, Gemüse und
Rotwein – doch die israelischen Volontäre erzählten uns, dass es
viel bessere Poiker gibt, in dem man Cola, Honig oder sogar Chips und
Bier hinzufügt. Man soll es dann im Dunkeln essen, da es tatsächlich
nicht so gut aussieht als es dann schmeckt – und unsere
Poiker-Variation schmeckte in der Tat sehr gut.
Wir
verbrachten noch eine Weile am Lagerfeuer bevor wir die Nacht im
Beduinenzelt verbrachten. Die Wärme des Tages war mit Einbruch der
Dunkelheit dann leider auch verschwunden, weshalb wir alle trotz
dicker Kleidung in unseren Schlafsäcken froren.
Am
nächsten Tag fuhren wir zum Visitor-Center nach Mitzpe Ramon, wo wir
an einer Führung zur Tragödie des Raumschiffes Columbia teilnahmen,
bei der auch der erste israelische Astronaut Ilan Ramon ums Leben
kam. Nach einer Mittagspause mit Blick auf den Krater fuhren wir müde
aber zufrieden wieder zurück.
Der
Ausflug hat sich sehr gelohnt, zum ersten Mal hatten wir die
Möglichkeit alle zusammen zu verreisen. Sonst können wir nämlich
mit den israelischen Volontären nicht zusammen reisen, da sie immer
sehr lange und viel arbeiten und an ihren freien Wochenenden nach
Hause fahren. So bestehen unsere gemeinsamen Unternehmungen immer aus
Abende am Caravan oder in Kiryat Tivon.
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