Samstag, 14. Dezember 2013

Die Weihnachtszeit in Israel

Weihnachten in Israel ist ruhig, besinnlich und besonders - denkt man. Eigentlich bekommt man vom ganzen Weihnachtstrubel zumindest hier im Norden Israels so gut wie nichts mit. Wir suchen schon förmlich nach Weihnachten und geben unser Bestes, uns in Weihnachtsstimmung zu begeben.

Daher haben wir unsere Wohnung schön weihnachtlich geschmückt, Adventskalender aufgestellt und sogar einen selbstgebastelten Adventskranz haben wir dank Malin auf unserem Wohnzimmertisch stehen. An manchen Abenden machen wir uns in unserer Volo-Runde Glühwein und essen dazu selbstgebackene Plätzchen.
Unglaublich gemütlich - während es draußen seit etwa einer Woche den ganzen Tag regnet, zudem ist es kalt, stürmisch und schlichtweg ungemütlich. Immerhin das Wetter erinnert also an ein schneefreies Weihnachten in Deutschland.

Wo ich gerade beim Schnee bin: dieses Wochenende gab es Schnee in Jerusalem! - und davon nicht wenig...
Eigentlich wollte ich zusammen mit Theresia an diesem Wochenende nach Jerusalem fahren und vielleicht auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Dafür hatte ich extra meinen Dienst getauscht und auch Theresia hatte sich Urlaub genommen. Einige Tage vorher wurde schon im Wetterbericht für Jerusalem Schnee angesagt, weshalb wir uns noch ein wenig mehr freuten, immerhin ist es schon was Besonderes die Heilige Stadt im Schnee zu sehen. So wie der Wetterbericht angekündigt hatte, fing es dann am Donnerstag an zu schneien - es schneite den ganzen Tag durch, die Medien sprachen sogar von einem "Schneetsunami". Und das ist nicht unbedingt übertrieben: es blieb etwa einen halben Meter hoher Schnee liegen - und damit auch das gesamte Verkehrsnetz. Der Highway, der nach Jerusalem führt wurde komplett gesperrt, Busse fuhren nicht mehr dorthin. So mussten wir unseren geplanten Ausflug also absagen. Gut für uns, denn die anderen Volontäre, die freitags nicht arbeiten müssen, nahmen am Donnerstagabend einen Bus nach Jerusalem - ohne zu wissen, dass dort so ein Schneechaos ist. Letztendlich haben verbrachten sie die Nacht 12 Stunden im Bus und mussten dazu noch eine halbe Stunde durch das Schneegestöber zum nächstbesten Hotel laufen. Die Straßenbahn fiel aus und man konnte nicht ein Bus oder Auto auf den Straßen sehen. Fast alle Geschäfte hatten geschlossen und auch die Schulen blieben zu. Für so viel Schnee ist man hier in Israel einfach nicht vorbereitet, es gibt keinen Winterdienst der die Straßen räumt oder Salz streut. Hier muss man schlichtweg warten, bis es vorbei ist.

So blieben wir hier, backten Plätzchen und Äpfel im Schlafrock, tranken Glühwein und schauten Filme. Statt Schnee, gab es hier Unmengen an Regen, Gewitter und Stürme - zudem war es extrem kalt, sodass man freiwillig nicht vor die Tür gegangen ist. Zwischendurch hatten wir zweimal für etwa eine Stunde im ganzen Wohngebiet Stromausfall.


Als "Alternativprogramm" sind wir heute Nachmittag nach Nazareth gefahren, wo wir auf den Weihnachtsmarkt gehen wollten - eigentlich! Schon vor Wochen wurde im Internet ein Weihnachtsmarkt in Nazareth angekündigt, der vom 11. - 15. Dezember vor der griechisch-orthodoxen Verkündigungskirche stattfinden sollte. Doch das einzige das wir dort sahen, war ein großer, geschmückter Weihnachtsbaum. Dann wurde uns erklärt, dass der Weihnachtsmarkt wegen dem Wetter auf die nächste Woche verschoben wurde. Nach einer Falafel fuhren wir dann - etwas enttäuscht - wieder zurück.


Kurz nach unserer Rückkehr kamen dann die anderen Volontäre unterkühlt und übermüdet mit einem Sonderzug aus Jerusalem wieder.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Ani ohevet Hanukka

Gerade ist Hanukka, das jüdische einwöchige Lichterfest bei dem an jedem Abend eine weitere Kerze der Hanukia, ein achtarmiger Leuchter, angezündet wird.

Der Hintergrund dieses Festes ist folgender: die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel durfte niemals erlöschen. Allerdings wurde nach der Zerstörung des ersten Tempels durch die Syrer nur noch ein Krug geweihtes Öl gefunden, das eigentlich für nur gerade mal einen Tag reichen konnte. Allerdings wurden für die Herstellung von neuem Öl acht Tage gebraucht. Wie durch ein Wunder reichte der Krug Öl acht Tage lang bis es neues gab.
Deshalb wird an Hanukka an jedem Abend des Festes eine Kerze der Hanukkia angezündet.

Die Hanukkia des Kfars wird angezündet
Nicht nur das Anzünden von je einer weiteren Kerze am Abend gehört zu Hanukka. Ebenso isst man in dieser einen Woche unglaublich viele Sufganiot (oder auch Berliner) in allen möglichen Variationen (es gibt ganze Bäckereien die in dieser Zeit nur Sufganiot herstellen), trinkt Apfelpunsch und spielt mit dem Dreidel um Schokoladenmünzen.
Der Grund warum es an diesem Fest so viele Sufganiot gibt liegt darin, dass sie in Öl gebacken werden. Generell wird während dieser Zeit insgesamt sehr ölhaltig gegessen.

Der Dreidel ist eine Art Kreisel mit dem vor allem die Kinder an Hanukka um Schokomünzen spielen. Auf den Seiten des Dreidels sind die hebräischen Buchstaben נ (nun), ג (gimel), ה (hei) und פ (pei) abgebildet, welche für den Satz "Nes gadol haja po - ein großes Wunder ist hier geschehen", stehen. Kauft man den Dreidel in einem anderen Land als Israel, so findet man anstelle des Buchstaben פ ein ש (schin), welches den Satz zu "Nes gadol haja scham - ein großes Wunder ist dort geschehen" ändert.
Das Spiel ist wie eine Art Glücksspiel: bevor der Dreidel gedreht wird, rät man welcher Buchstabe wohl oben liegt. Derjenige der richtig liegt bekommt Schokomünzen.

Natürlich haben auch wir im Kfar dieses Fest groß gefeiert, denn neben besonderen Freizeitangeboten - wie zum Beispiel das Dreidelspielen oder eine Fahrt zum Zirkus - gab es eine große Hanukka-Party.
Der Showbeitrag unserer deutsch-israelischen Volontärsgruppe:
ein traditionelles Hanukka-Lied
Dazu versammelten sich am ersten Hanukka-Abend alle Bewohner, Arbeiter und Volontäre in der Chadar Ochel, dem Sepisesaal des Kfars. Zur Einleitung sprach der Leiter des Kfars einige nette Worte, bevor die Kerzen der Hanukkia nacheinander von verschiedenen Leuten aus dem Kfar angezündet wurden. Jeder dieser Personen hat das Kfar in besonderer Weise geprägt, unter ihnen eine langjährige Sozialarbeiterin, Member, die seit der Gründung des Kfars dort wohnen, stellvertretend für alle deutschen Volontäre Theres und eine Spenderin. Danach gab es ein super organisiertes Programm mit Musikbeiträgen, Tanzauftritten und ein kleiner von den Workshopleitern aufgeführter Sketch. Natürlich begleiteten wir mit unserer Volontärsband auch den Memberchor.

Die Volontärsband
Aber natürlich unsere kleine Musikeinlage mit dem Memberchor auf der Hanukka-Feier des Kfars nicht die Einzige. Ein Tag später fuhren wir nach Ein Hashofet, einem nahegelegenen Kibbuz in dem der Großteil der Workshopleiter und auch Batia, unsere Musikleiterin, wohnen. Für uns eine ganz neue Erfahrung, schließlich gibt es solche Wohnstrukturen in Deutschland nicht. Wir fühlten uns wie auf einer großen Ferienanlage: dort gibt es nämlich auch einen Mittelpunkt, in dem Fall statt der Rezeption den Speisesaal in dem auch viele Feiern der Gemeinschaft stattfinden. Drumherum gibt es viele kleine aber feine Familienhäuser, die Vorgärten und Gartenanlagen sind alle schön hergerichtet und laden zum Verweilen ein. Auch einige Künstler schienen ihren Ideen in der Gestaltung des Kibbuz umgesetzt zu haben - insgesamt sehr beeindrucken und für Familien und ältere Ehepaare ein wunderschöner, ruhiger Ort zum Leben.
Der Memberchor
Die Hanukka-Feier lief ähnlich wie im Kfar ab: neben Musik- und Tanzeinlagen der Kibbuzbewohner wurde natürlich auch dort die Hanukkia angezündet. Und bevor ich es vergesse: natürlich gab es pfannfrische Sufganiot und Apfelpunsch - was wäre eine Hanukka-Feier auch ohne das?







Montag, 2. Dezember 2013

Tel Aviv

Nachdem wir einige Wochenenden bei uns "Zuhause" in Kiryat Tivon verbracht und hier ein bisschen die Umgebung erkundet hatten, fuhren wir letztes Wochenende nach Tel Aviv, um zwei Freiwillige von einem anderen Projekt zu besuchen.
Wir verbrachten einen ruhigen Freitagabend und Shabbat in Ramat Ha-Sharon, ein Vorort von Tel Aviv in dem die beiden wohnen, bevor wir uns am Sonntag frühmorgens auf den Weg ins Zentrum von Tel Aviv machten, um die Stadt zu erkunden.

Bisher kannte ich von Tel Aviv nur den Strand und aus der Erinnerung von vor vier Jahren auch ein wenig von der Altstadt von Jaffo, ich war also begeistert - und das nicht nur von den vielen schönen Hochhäusern. Nicht umsonst wird diese Stadt auch als das New York des Nahen Ostens bezeichnet.



Tel Aviv ist eine der wenigen Städte Israels in der wirklich Fahrrad gefahren wird um von A nach B zu kommen, es gibt sogar Fahrradstationen bei denen man sich gegen etwas Kleingeld für je eine halbe Stunde Fahrräder ausleihen kann - für mich ein kleiner Glücksmoment, da ich seit meiner Abreise nicht einmal wieder gefahren war. Blöd nur, dass wir das System nicht ganz verstanden hatten und daher das Fahrradfahren auf das nächste Mal verschoben hatten.

Nachdem wir die Promenade am Rothschild-Boulevard entlang geschlendert waren, stärkten wir uns mit einem guten Frühstück in einem der Cafés.

Danach gingen wir zum Karmeliten-Markt, bestehend aus einem Handarbeitsmarkt und einer Art arabischen Markts. Auf dem Handarbeitsmarkt verkauften Handwerker, Goldschmiede, Glasbläser (...etc) ihre Produkte, wobei wir auf dem arabischen Markt hauptsächlich frisches Obst, Gemüse, getrocknete Früchte und verschiedene Souvenirs finden konnten.
Neben exotischen Früchten, wie Maracuja, Pomela, Sternfrucht, Drachenfrucht usw, gab es sogar frische Erdbeeren - und das am 1. Dezember!

die schmalen Gassen der Altstadt von Jaffo
Nach einem kleinen Rundgang durch das künstlerische Stadtviertel Neve Tsedek, gingen wir am Strand entlang nach Jaffo, wo man in einem eher touristisch angelegten "Garten" eine wunderschöne Sicht auf die Skyline von Tel Aviv hat. Außerdem gingen wir über einen Teil vom Flohmarkt von Jaffo - neben kleinen Ständen mit Schmuck und Keramik, gibt es dort viele Second-Hand-Läden und alte Möbel.
Wir hätten gerne mehr Zeit dort verbracht, aber da wir seit frühem Morgen mit unseren nicht leichten Rucksäcken unterwegs und daher unglaublich müde waren, fuhren wir am späten Nachmittag wieder zurück.

Montag, 18. November 2013

Seminar in Jerusalem

Anfang November hatten wir unser erstes kleines Seminar in Jerusalem, zum ersten Mal gab es also ein Wiedersehen der ganzen Gruppe.

Das Thema des Seminars war: "Politische Einblicke rund um Jerusalem" - ein sehr umfangreiches, aber sehr interessantes Thema.

Natürlich tauschten wir uns reichlich über unsere ersten Wochen in unseren Projekten aus und bekamen einen kleinen Überblick von der Arbeit der anderen, mit all den Vorteilen aber auch Problemen in den Einsatzstellen. Insgesamt hatten wir eine Menge Spaß und bekamen viele neue Eindrücke und Informationen bezüglich der Konfliktsituation hier in Israel, vor allem war es auch einfach mal eine Abwechslung zum normalen Arbeitsalltag. 

Unser Seminar wurde von einer Referentin begleitet, die uns zum Einstieg erst durch einen Vortrag alle wichtigen Hintergrundinformationen zum Konflikt schilderte.
Am nächsten Tag führte sie uns zuerst durch die Jerusalemer Altstadt, zum Tempelberg und zur Klagemauer, wo wir einen ganz besonderen Moment miterleben durften:
An der Klagemauer beteten Reformjüdinnen, die wie die jüdischen Männer eine Kipa und einen Gebetsschal tragen. Sie wollen in der Religion als gleichberechtigt angesehen werden und auch solche jüdischen Symbole wie die Männer tragen dürfen. Bis vor einigen Monaten war es ihnen gesetzlich verboten an der Klagemauer zu beten, doch nach der Wiederaufnahme der Gerichtsverhandlungen gelang es ihnen, ihre Rechte durchzusetzen. An diesem Tag war das 25-jährige Jubiläum dieser Frauen, wodurch viele dieser Frauen zur Klagemauer kamen um religiöse Lieder zu singen und zu beten. Da die (ultra)orthodoxen Juden dies überhaupt nicht mit ihrer Sichtweise vereinbaren können, gab es dementsprechenden Widerstand. Zur Sicherheit der Frauen waren junge Armeedienstleistende eingesetzt.
Vor der Seite der Frauen waren auch männliche Sympathisanten die kräftig mitsangen, dahingegen machten die orthodoxen Juden viel Lärm.
Danach gingen wir ins jüdische Viertel, wo wir unter anderem auch eine Synagoge besichtigten.

Am Nachmittag hatten wir eine ganz besondere politische Führung zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt. Wir fuhren zur Mauer in Ostjerusalem, wo wir auch aufgesprengte Teile der Mauer entdeckten: Versuche der Flucht aus Palästina nach Israel. Wo einst eine der Hauptverkehrsstraßen Ostjerusalems war, ragt nun eine gewaltige Mauer mitten auf der Straße empor. Um auf die andere Seite der Mauer zu gelangen, brauchten wir rund zwanzig Minuten Fahrt mit dem Bus. Um ein oder zwei Meter voran zu kommen.
Der Blick auf eine israelische Siedlung









Außerdem fuhren wir durch eine der größten israelischen Siedlungen in Palästina, die auf mich den Eindruck einer riesigen Hotelanlage machte. Bepflanzte Mittelstreifen auf den Straßen, Kreisverkehre mit Springbrunnen und Rasen - und das mitten in der Wüste. Auf der einen Seite eine großartige Leistung, betrachtet man aber auf der anderen Seite die generelle Wasserknappheit in Israel ist das doch eher befremdlich. Zudem war ich mir vorher nicht bewusst wie groß die Siedlungen sind, wenn man bei 300.000 Einwohnern überhaupt noch von einer Siedlung reden kann.
Gerade von diesem Teil des Seminars konnte ich viel neues lernen, es zeigte mir, wie gegenwärtig der Konflikt ist.

Auf dem Rückweg nach Kiryat Tivon zusammen mit den Tabgha-Volontären machten wir DEN Ausflug, bei dem sich so gut wie jedes Mädchen egal wo direkt heimisch fühlt: wir fuhren nach IKEA!




Dienstag, 5. November 2013

Olivenernte in Beit Emmaus

Der Oktober ist der Monat in dem die Olivenernte beginnt. Deshalb nutzten Mimi und ich an einem Wochenende Ende Oktober unsere freie Zeit, um auf den Olivenfeldern in Beit Emmaus, einer anderen Projektstelle des DVHL in Palästina, zu helfen. 

Beit Emmaus ist ein Alten- und Pflegeheim für palästinensische Frauen, das von deutschen Ordensschwestern geleitet wird und auf dessen riesigen Grundstück rund 600 Olivenbäume stehen. Da alle 600 Olivenbäume ab Oktober bis Ende November/Anfang Dezember geerntet werden müssen, haben die zwei deutschen Volontäre und ihr Chef einiges zu tun und sind auf die Hilfe aller Freiwilligen angewiesen.
Es gibt noch drei weibliche Volontäre, diese arbeiten allerdings auf der Station im Altenheim. 
Also nahmen wir nach Arbeitsende am Freitag den letzten Bus nach Jerusalem und einen weiteren Bus von dort aus, der uns bis zum Checkpoint fuhr bevor alle Busverbindungen wegen des Shabbats mal wieder eingestellt wurden. Ein wenig eingeschüchtert von der Mauer, den vielen Zäunen und Soldaten liefen wir über den Checkpoint in die West Bank - ein komisches Gefühl, da wurde uns die brisante politische Situation erstmals deutlich. Und trotzdem liefen einige Palästinenser wie selbstverständlich über die Grenze, einige führten uns sogar durch das Labyrinth von Zäunen. 
Von dort aus nahmen wir einen Scherut nach Quebeibeh, der uns direkt bis vor die Tür von Beit Emmaus fuhr. Ein Glück, sonst hätten wir den Weg nie gefunden. 

Neben uns waren drei andere Freiwillige aus einer Projektstelle in Jerusalem und zwei Studenten der Dormitio-Abtei übers Wochenende zur Olivenernte dorthin gekommen. 

Nach einer Nacht und einem guten deutschen Frühstück - das Essen in Beit Emmaus ist wahrscheinlich das Beste von allen Projektstellen - machten wir uns allesamt  mit dem Trecker auf dem Weg zu den Olivenfeldern. Also nachdem wir unsere Arbeitskleidung angezogen hatten: alte OP-Klamotten. Man glaubt es kaum, aber für die Arbeit unglaublich praktisch und bequem. 






Auf dem Olivenfeld merkten wir dann schon einen großen Unterschied zwischen Israel und Palästina, was die Müllentsorgung betrifft. Dass die Straßen mit Müll übersät sind, hatten wir schon am Tag vorher gemerkt und waren zwar schockiert, hatten es aber so hingenommen. Doch auf dem Olivenfeld fanden wir dann neben Steinen und Ästen auch Knochen, ganze Wirbelsäulen, Schädel und Zähne von irgendwelchen Tieren. Dann wurde uns erklärt, dass die Menschen ihre toten Tiere halt immer auf den Feldern verteilen, manchmal mit anderem Müll verbrennen. 
Wir verbrachten einen schönen, aber doch anstrengenden Tag auf dem Olivenfeld - natürlich mit ausreichenden (Essens-)Pausen, die wir dank der guten Küche richtig genossen haben. Das Olivenernten hat auch echt Spaß gemacht, wir mussten manchmal auf Bäume klettern, um an hohe Äste heran zu kommen, wobei nicht immer die Bäume unbeschädigt blieben. Insgesamt ernteten wir mit zwölf Leuten an diesem Tag sieben Säcke Oliven von etwa zwölf Bäumen - unser Einsatz hat sich also wirklich gelohnt. 
Ein Tag, der es wert war, ich könnte es mir aber auf keinen Fall vorstellen weitere zehn Wochen Tag für Tag Oliven zu ernten, wie es die zwei Volontäre dort nun machen. 

Nach dem Abendessen wurden wir von einer Schwester freundlicherweise mit dem Auto über den Checkpoint gefahren und verbrachten den restlichen Abend und den Sonntag gemütlich in Jerusalem. 

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Yehudia

Vor zwei Wochen sind wir mal wieder nach Tabgha gefahren und haben einen Tagesausflug in den Nationalpark Yehudia gemacht.
Da der Weg dorthin mit dem Bus trotz der recht kurzen Entfernung alles andere als kompliziert ist, sind wir diesmal an den See Genezareth getrampt. Für mich schon eine kleine Überwindung, obwohl wir hier schon öfter in die nächste Stadt trampen und ich mich schon etwas daran gewöhnt habe. Allerdings hätte ich es nicht für möglich gehalten, eine im Vergleich so weite Strecke nur durch trampen zu schaffen. Doch wir waren erfolgreich: nach etwa drei Stunden hatten wir unser Ziel erreicht - inklusive eine Stunde Fahrt in einem Jeep und ohne langes Warten auf das nächste Auto, das uns mitnehmen wollte. Dazu haben wir jetzt eine Übernachtungsmöglichkeit in Tel Aviv und eine Einladung zum Shabbat-Essen in einem nahegelegenen Kibbuz - was will man mehr? 

Am Nationalpark angekommen trafen wir zwei der Volontäre aus Tabgha und haben, mit viel Wasser und einem kleinen Essenspaket ausgestattet, eine etwa vierstündige Wandertour durch den Park gemacht, die sich echt gelohnt hat. Nach einer Stunde laufen über einen recht matschigen, mit einigen großen Steinen übersäten Wanderweg erreichten wir die "richtige" Natur: nun mussten wir klettern, manchmal auch über kleine Flüsse oder zum nächsten Stein springen und nur die Pfeile auf den Steinen zeigten uns den Weg an. Ein kleines Abenteuer, das total viel Spaß gemacht hat und sich auf alle Fälle gelohnt hat. Auf dem Weg kamen wir an zwei Naturpools vorbei, die Gelegenheit zum Schwimmen im kühlen Nass baten und etwas Platz für ein kleines Picknick ermöglichten. Endlich konnten wir unser Lunchpaket leeren, das sich vorher als ein wenig störend beim Wandern und Klettern herausstellte, da man teilweise schon zwei Hände brauchte, um sich irgendwo festzuhalten damit man dann doch nicht in den Tümpel oder auf den nächsten Stein abrutschte. Gut gestärkt und abgekühlt ging es dann weiter bis zum Highlight des Tages: ein Wasserfall inmitten einer wunderschönen Landschaft. So, wie man es sonst von Postkarten oder Postern kennt. 

Dieser ist einer von vielen in dem Nationalpark (ist ja auch ein Wasserpark), doch die anderen konnten wir nicht sehen, da sie auf einer anderen Wanderstrecke lagen. 
Danach eilten wir schnellen Schrittes zurück zum Eingang des Parks, um noch vor Schließung des Parks wieder raus zu sein - haben wir zwar nicht ganz geschafft, aber wir waren ja nicht die Einzigen.



Wir schliefen eine Nacht in Tabgha und verbrachten einen schönen und ruhigen Sonntag mit den Volontären auf der Begegnungsstätte, wo wir kurz als kleine Attraktion innerhalb fünf Minuten mindestens dreißigmal fotografiert wurden. Der Hintergrund: die philipinischen UN-Soldaten, die auf den Golanhöhen stationiert sind, waren zum Essen bei den philipinischen Ordensschwestern auf der Begegnungsstätte eingeladen. Als sie uns am Ufer des Sees sahen, während sie das Essen vom Schwesternhaus zur Begegnungsstätte brachten, waren sie so begeistert von unserem hellem Haar, dass jeder ein Foto mit uns haben wollte. Also kam eine Soldatengruppe nach der anderen, die für ein Foto mit uns posten. Im Nachhinein ärgern wir uns, dass wir keine Kamera von uns in Reichweite hatten. Wer hat denn schon ein Foto mit einer Gruppe UN-Soldaten? 
Anschließend wurden wir sogar zum Essen eingeladen. 

Am späten Nachmittag machten wir uns auf dem Rückweg und wieder waren wir innerhalb zwei Stunden durch Trampen zurück im schönen Kiryat Tivon.






Montag, 21. Oktober 2013

Mein erster Rundbrief

Lang lang ist's her, seit ich das letzte Mal geschrieben hatte. Währenddessen habe ich meinen ersten Rundbrief für meine Förderer geschrieben, den ich auch hier veröffentliche. Da ist an sich alles drin, was ich seit meiner Ankunft bis jetzt erlebt habe, sowie ein kleiner Rückblick auf Geschehenes:

' Shalom!

Seit etwa sechs Wochen lebe und wirke ich nun schon hier in Israel und jetzt wird es Zeit für den ersten Rundbrief, der sich grade als kleine Herausforderung herausstellt. Es ist gar nicht so einfach, das Gesehene und Erlebte treffend zusammenzufassen. Schließlich habe ich in dieser kurzen Zeit schon unglaublich viel erlebt, ob in Kfar Tikva oder an den Wochenenden, die wir oft für mehrtägige Ausflüge durch Israel genutzt haben.

Ich weiß gar nicht genau, wo ich bei so viel Erlebtem und so vielen Eindrücken anfangen soll – vielleicht ganz am Anfang:

Ende August machte ich mich zusammen mit meinen Mitfreiwilligen Milena, Mathis und Mimi auf den Weg nach Kfar Tikva in Kiryat Tivon, Israel. Dort lernten wir die acht weiteren deutschen Volontäre und die fünf israelischen Freiwilligen, die mit uns das Jahr verbringen werden, kennen.


Kfar Tikva – das Dorf der Hoffnung, ein kleines, kibbuzähnliches Dorf ist das Zuhause und zugleich die Arbeitsstelle von rund 200 Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen. Die Bewohner - „Chaverim“ (Freunde) oder „Member“ - sollen so selbständig wie möglich als Teil einer Gemeinschaft leben und arbeiten.
So hat jeder Member einen geregelten Tagesablauf: morgens arbeiten sie in einer der Werkstätten oder Workshops, die von einem Workshopleiter und von einem bis drei Volontären geleitet werden. Da gibt es die Filzwerkstatt, wo neben Filzpuppen auch Körbe für Puppenwagen geflochten werden, die Holzwerkstatt, in der Giraffen und Uhren bemalt werden, die Kita Or, ein kreativer Workshop für Member mit stärkeren Einschränkungen, die Pinat Chai (Tierfarm), das Gartenteam, das sich mehr oder weniger um die Außenbepflanzung im Kfar kümmert und die Kita Oren, ein kreativer Workshop für alte Menschen.
Nachmittags und abends gibt es für alle Member ein Angebot an Aktivitäten, wie zum Beispiel Pita backen, Filme schauen oder Café Tarbut (ein von Membern organisiertes Café).

In den letzten Wochen sind wir durch die ganzen Workshops „getourt“, um einen Eindruck von der ganzen Arbeit zu bekommen und damit wir uns für einen Workshop, in dem wir das Jahr über jeden Morgen sein werden, entscheiden können. Seit Anfang dieser Woche bin ich zum Glück endlich in meinem festen Workshop, der Kita Oren.

Die Kita Oren ist der Workshop für die älteren Member, die im „Altenheim“ des Kfars leben und durch die Arbeit dort eine gewisse Wertschätzung erfahren.
Morgens werde ich dort immer mit einem fröhlichen „Boker tov, Miriam! Ma nischma?“ (Guten Morgen, wie geht’s?) begrüßt und kurz darauf tönt auch ein deutliches „gesund?“ aus der linken Ecke – ein alter Member, mit deutschem Hintergrund kümmert sich immer besonders um meine Gesundheit und um meine Familie in Deutschland.
In dem Workshop helfen wir (die Workshopleiterin, eine israelische Freiwillige und ich) den Membern bei der Fertigstellung unter anderem von wunderschönen gewebten Taschen, Geburtstagskarten oder kleinen Stoffpuppen. Die Arbeit dort ist recht kreativ, jede Tasche, Puppe oder Karte ist ein Unikat – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Gegen halb zwölf beenden wir die Arbeit dort immer und machen uns nach einigen Bringjobs auf den Weg in die Chadar Ochel, dem heißbeliebten Speisesaal des Kfars, in der die Küchenchefin Hiba mit ihrer arabischen Mentalität das Sagen hat. Oft bekommen wir lächelnd Sätze wie „en ochel babeit? (Habt ihr kein Essen Zuhause?) zu hören, die aber eher ironisch zu verstehen sind. Wahrscheinlich testet sie nur unsere Hebräischkenntnisse, die aber von Tag zu Tag besser werden.

Wo wir gerade beim Essen sind: ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann das deutsche Essen so sehr vermissen werde. Das Essen in der Chadar Ochel ist zwar in Ordnung, dafür, dass für etwa 300 Personen gekocht wird, aber ich hätte nichts gegen ein richtiges Frühstück mit Vollkornbrot einzuwenden. Denn so etwas wie Vollkornbrot, so wie man es in Deutschland kennt, sucht man in israelischen Supermärkten oder Bäckereien vergeblich. Stattdessen gibt es überall toastbrotähnliches Weißbrot, das recht gewöhnungsbedürftig ist.

Mittags hilft immer einer von uns Volontären bei der Essensverteilung in der Chadar Ochel. Das Ganze läuft folgendermaßen ab: die Member stürmen, nachdem sie einen Klecks Desinfektionsmittel in den Händen verteilt haben, zu ihren Plätzen und nehmen sich Essen aus den Schüsseln, die schon vorher auf den Tischen verteilt wurden. Binnen Sekunden sieht man schon den ersten Member mit einer leeren Schüssel in der Hand winken, weitere folgen. Wir rennen also eine halbe Stunde lang zwischen der Essensstation und den Tischen hin und her bis alle Member glücklich und zufrieden die Chadar Ochel verlassen.

Danach haben wir meistens eine Pause, die wir an unserem Caravan verbringen bis wir zu unseren nächsten Jobs los müssen. Der Caravan ist nur für uns Volontäre gedacht, also dürfen auch keine Member dorthin kommen – bis auf einer, aber dazu später.


Insgesamt ist der Caravan echt praktisch, er eignet sich recht gut zum Schlafen und Ausruhen in den Pausen, er ist aber auch super für abendliche Grillaktionen im Kfar.

Trotzdem bin ich froh, dass ich nicht in so einem wohne wie die vier israelischen Freiwilligen. Wir deutschen Volontäre sind in kleinen Wohnungen im nahegelegenen Stadtteil Kiryat Amal untergebracht, die trotzdem sehr gewöhnungsbedürftig sind.

Nachmittags haben wir viele „kleinere“ Jobs, ein Hauptbestandteil ist die Betreuung eines Members, von uns liebevoll unser „Volontärsbaby“ genannt. Er ist geistig sehr eingeschränkt und muss auch immer mit einem Helm und Armschonern herumlaufen, weil er oft hinfällt. Außerdem braucht er eine ständige Betreuung, was der Job von uns Volontären am Nachmittag ist. Jeder von uns betreut ihn abwechselnd zwei/drei Mal in der Woche für je eine Stunde. Anfangs war er ein super Hebräischlehrer, so lernten wir schnell ein paar Wörter, aber da er immer nur die gleichen Sätze spricht bekommen wir jetzt zur Verständigung zweimal wöchentlich Ulpan (Hebräisch-Unterricht).

Neben ihm gibt es noch andere Member, die wir eine Stunde lang beschäftigen. Spaziergänge, Spiele oder Besorgungen gehören dazu. Die Einzelbetreuung läuft aber grade erst an, deshalb kann ich davon noch nichts berichten.

Zudem bieten wir verschiedene Aktivitäten wie die Pita AG, bei der wir uns meistens an verschiedenen Variationen von Pita ausprobieren oder die Falaffelfahrt, bei der wir zum nahegelegen Falaffelimbiss fahren. Bis vor kurzem sind wir noch einmal in der Woche bowlen gefahren, nur leider hat die Bowlingbahn zu gemacht, weshalb diese Aktivität momentan ausfällt.

In unserer Tierfarm gibt es noch einen Hund namens Nala, der den Volontären vor ein paar Jahren zugelaufen ist und um den auch wir uns nun kümmern. Deshalb gehen wir nachmittags oft mit ihr im nahegelegenen Wadi spazieren.
Seit kurzem gibt es eine Volontärsband in der ich Gitarre spiele. Wir treffen uns einmal die Woche, um verschiedene Lieder zu proben, die wir dann zusammen mit dem Chor an Feiertagen vorspielen.

Außerdem spielen wir seit dieser Woche immer mittwochs zusammen mit den Membern Fußball, wozu auch die Volontäre aus Tabgha herkommen.

Unsere Arbeitstage sind immer unterschiedlich lang, manchmal sind wir schon kurz nach dem Mittagessen fertig, an anderen Tagen müssen wir bis zum Abendessen um sechs bleiben.

Gerade zu Beginn hatten wir oft früh frei, also nutzten wir dann die Zeit, um die Umgebung ein bisschen besser kennenzulernen. Wir gingen nach Tivon in die kleine aber feine Stadt, an den Strand in Haifa, wo man einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen kann oder in die Shoppingmall nach Ramat Yeshai. Im Wadi, ganz in der Nähe vom Kfar und auch nur zwanzig Minuten Fußmarsch von unseren Wohnungen entfernt gibt es auf einem Hügel eine Reiterstatue, wovon man eine super Aussicht auf die vielen Städte in der Umgebung hat. Gerade abends ist dies der passende Ort, um gemütlich zusammenzusitzen.

Im September wurden wir hier förmlich mit Feiertagen überflutet und somit hatten wir auch eine Menge freier Tage, die wir zum Teil genutzt haben, um einige Orte in Israel zu besichtigen.

Das Ganze begann mit Rosh Ha Shana, dem jüdischen Neujahr, nach dessen Zeitrechnung wir uns momentan im Jahr 5774 befinden. An diesem Tag haben wir uns nochmal etwas Zeit für uns genommen, da wir erst ein paar Tage zuvor angekommen sind. Doch am Wochenende wollten wir unbedingt los, etwas Neues zu entdecken. Also fuhren wir an unserem freien Freitag mit dem Scherut, ein arabisches Sammeltaxi, nach Nazareth um uns dort die arabische Stadt anzuschauen. Wir genossen jede Menge arabische Gastfreundschaft, zum Beispiel wurden wir auf einen frischen arabischen Kaffee in einer Kaffeerösterei eingeladen und bekamen auf dem Markt viel frisches Obst geschenkt.

An dem Samstag waren wir in Akko, einer wunderschönen arabischen Hafenstadt am Mittelmeer, die ganz bei uns in der Nähe liegt. Natürlich waren wir auch da auf dem arabischen Markt, haben uns die Moschee angeschaut und am Nachmittag saßen wir auf der Stadtmauer, die einen wunderschönen Blick auf das Meer ermöglichte. Als wir dem Muezin lauschten, der zum Abendgebet aufrief, schauten wir uns den Sonnenuntergang über der Altstadt an.
Die Sonnenuntergänge in Israel sind einmalig, egal wo, sie sehen irgendwie immer schön aus.

Zehn Tage nach Rosh HaShana war Jom Kippur - der Versöhnungstag. An diesem Tag darf man weder Essen oder Trinken, noch Autofahren oder überhaupt in irgendeiner Weise arbeiten.
Für die gläubigen Juden heißt das also, dass man den ganzen Tag mit seiner Familie verbringt, redet oder liest. An diesem Tag sind die Straßen leergefegt und die Autobahnen gesperrt. Fahrradfahren ist allerdings erlaubt, deswegen machen viele Familien eine Radtour über die Autobahnen. Da wir das Wochenende nicht die ganze Zeit in unseren Wohnungen verbringen und mal was anderes sehen wollten, sind wir nach Tabgha, einer paradiesischen Begegnungsstätte an einem deutschen Kloster am See Genezareth, gefahren. Dort arbeiten auch ein paar Volontäre vom DVHL, meiner Entsendeorganisation, weshalb wir uns sehr auf das Wochenende gefreut hatten.
Viel von Jom Kippur haben wir dort aber nicht mitbekommen, weil die Begegnungsstätte recht weit außerhalb liegt und die Ruhe da an sich nichts Besonderes ist. Wir haben die zwei Tage sehr genossen, saßen den ganzen Tag am Pool oder am See, haben gelesen und gegessen.
Erholung pur, die wir uns nach der langen Busfahrt auch echt verdient hatten.

Eigentlich ist Tabgha gar nicht so weit von Kiryat Tiv'on entfernt, ca. eine Stunde, und die Busverbindung ist normalerweise auch recht gut – aber nur normalerweise.
Von hier aus muss man einmal in Afula umsteigen, was für uns auf dem Hin- und Rückweg echt anstrengend war! Das Problem: auf dem Hinweg hatte der erste Bus Verspätung, weshalb wir unseren ersten Anschlussbus verpasst hatten. Alles halb so schlimm! - dachten wir. Der nächste Anschlussbus war allerdings so überfüllt, dass wir an der Bushaltestelle stehen gelassen wurden und von da an ganz lange kein Bus mehr kam, der in unsere Richtung fuhr. Nach zwei Stunden warten saßen wir aber zum Glück im Bus nach Tabgha.
Der Rückweg war ähnlich: bis nach Afula kamen wir wieder ohne Probleme, doch mal wieder war unser erster Bus verspätet, dochdanach - so hieß es - sollte aber sicher noch ein Anschlussbus kommen. Nach zwei Stunden warten wurden die Israelis, die auf den gleichen Bus warteten, dann doch skeptisch. Uns blieb nichts anderes übrig, als das nächste Taxi nach Kiryat Tiv'on zu nehmen.

Wir befinden uns oft in ähnlichen Situationen, die Israelis sind total unorganisiert was sowas betrifft. Mittlerweile wundere ich mich schon gar nicht mehr, wenn ein Bus nicht kommt. Nicht mal die Internetseiten sind sich einig, welche Busse wann fahren. Manche Verbindungen kann man erst gar nicht ausfindig machen. Also fahren wir oft auf gut Glück einfach mal los, irgendwie kommen wir aber immer an unser Ziel.

Eine Woche nach Jom Kippur war Sukkot, das Laubhüttenfest. Dieser Feiertag dauert eine Woche bis zu Simchat Tora, dem Höhepunkt des Festes, an dem die Vorlesung der Tora in der Synagoge mit dem letzten Abschnitt des fünften Buches beendet und sogleich wieder mit dem ersten Abschnitt des ersten Buches von neuem begonnen wird. In dieser Zeit sieht man zahlreiche Sukkas (Laubhütten) in den Vorgärten stehen, in denen die Menschen gemeinschaftlich ihre Zeit am Abend verbringen. Mit Simchat Tora wurde der Feiertags-Marathon und somit leider auch die für uns viele freie Zeit beendet, an die wir Volontäre uns schon super gewöhnt hatten.

Trotzdem konnten wir schon geschickterweise ein wenig an unseren Dienstplänen herumtauschen, sodass wir an einem Wochenende drei Tage frei hatten, welches wir nutzten um nach Jerusalem zum Geburtstag einer Freiwilligen von meiner Organisation zu fahren. Es war wirklich schön, die vielen liebgewonnenen Leute wiederzusehen, irgendwie hatte das Treffen etwas heimatliches. An einem Tag besuchten wir zwei Freiwillige in der Einsatzstelle St.Vincent in Ein Kerem, ein Heim für schwerbehinderte Kinder in einem beschaulichen Vorort von Jerusalem. Ich war rundum beeindruckt, von den Kindern, dem Heim an sich und von der ganzen Umgebung – dieser Ort hat irgendwie etwas Fesselndes.
 
Natürlich durften aber bei unserem Besuch die Jerusalemer Altstadt, die Klagemauer und die Besichtigung des Tempelbergs nicht fehlen. Insgesamt hat sich das Wochenende total gelohnt, ich muss zugeben, dass ich mich schon ein wenig in diese Stadt verliebt habe – und da wir mit dem Bus „nur“ zwei Stunden dahin fahren, wird das mit Sicherheit nicht unser letztes Wochenende dort gewesen sein. Schließlich möchten wir auch mindestens einmal auf den Dächern Jerusalems spazieren gehen und uns den Sonnenaufgang vom Ölberg aus ansehen.

So langsam neigt sich der Sommer dem Ende, es wird schon kälter und immerhin hat es schon zweimal geregnet. Das ist leider noch nicht bis zu allen vorgedrungen, zumindest laufen die Klimaanlagen immer noch auf Hochtouren – vor allem in öffentlichen Gebäuden, in Bussen und in der Chadar Ochel des Kfars hat man das Gefühl sich in einem riesigen Kühlschrank zu befinden während es draußen noch zwischen 25 und 28 Grad sind. Nicht ohne Grund war jeder der Volontäre schon mindestens einmal seit der Ankunft krank. Momentan genießen wir jedoch alle das angenehme Wetter, so sitze ich auch gerade draußen während ich diesen Rundbrief schreibe. Für alle, die neidisch werden: in ein paar Wochen soll es hier auch ungemütlich werden und für die Zeit müssen wir uns langsam mal überlegen wie wir unsere freie Zeit dann verbringen.

Der heutige Tag neigt sich nun dem Ende, weshalb immer frischer werdender Wind weht und das Sitzen im Freien mehr und mehr ungemütlich wird. Daher möchte ich mich kurz halten und ein kleines Fazit ziehen: seit den sechs Wochen die ich mittlerweile hier in Israel verbracht habe, konnte ich schon einige Erfahrungen, ob positiv oder negativ, bezüglich der Arbeit mit geistig und psychisch behinderten Menschen, sammeln, die allesamt wertvoll sind. Zudem habe ich vieles über die israelische Kultur und die Menschen hier erfahren. Ich konnte einiges dazu lernen und bin auch schon in irgendeiner Weise an Grenzen gestoßen, doch ich bereue bis jetzt keineswegs meine Entscheidung nach Israel gegangen zu sein.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Freunden, meiner Familie und natürlich bei meinen Förderern bedanken, die alle mein Jahr unterstützen! Ich hoffe ich konnte Euch/Ihnen einen kleinen Eindruck von meinem Leben hier in Israel verschaffen und freue mich schon bald von neuen Erfahrungen und von der Arbeit im Kfar, die gerade erst so richtig beginnt, berichten zu können.

Bis dahin, Miriam '

Mittwoch, 18. September 2013

September - der Monat der Feiertage

Seit grade mal rund zweieinhalb Wochen bin ich im Lande und ein Feiertag folgt dem anderen. Das ganze begann mit Rosh Ha Shana, dem jüdischen Neujahr. Nach dieser Zeitrechnung befinden wir uns momentan im Jahr 5774!

Am letzten Wochenende, also zehn Tage nach Rosh Ha Shana, war Jom Kippur - der Versöhnungstag. An diesem Tag darf man weder Essen oder Trinken, noch Autofahren oder überhaupt in irgendeiner Weise arbeiten.
Für die gläubigen Juden heißt das also, dass man den ganzen Tag mit seiner Familie verbringt, redet oder liest. An diesem Tag sind die Straßen leergefegt und die Autobahnen gesperrt. Fahrradfahren ist allerdings erlaubt, deswegen machen viele Familien eine Radtour über die Autobahnen.

Der Ausblick auf den See Genezareth
Da wir das Wochenende nicht die ganze Zeit in unseren Wohnungen verbringen und mal was anderes sehen wollten, sind wir nach Tabgha, eine paradiesisch schöne Begegnungsstätte an einem deutschen Kloster am See Genezareth, gefahren. Dort leben auch einige Volontäre vom DVHL, meiner Entsendeorganisation, weshalb wir uns sehr auf das Wochenende gefreut hatten.
Viel von Jom Kippur haben wir dort aber nicht mitbekommen, weil die Begegnungsstätte recht weit außerhalb liegt und die Ruhe da an sich nichts besonderes ist. Wir haben die zwei Tage sehr genossen, saßen den ganzen Tag am Pool oder am See, haben gelesen und gegessen.
Erholung pur, die wir uns nach der langen Busfahrt auch echt verdient hatten.

 
Eigentlich ist Tabgha gar nicht so weit von Kiryat Tiv'on entfernt, ca. eine Stunde, und die Busverbindung ist normalerweise auch recht gut. Aber was ist hier in Israel schon normal?!
Von hier aus muss man einmal in Afula umsteigen, was für uns auf dem Hin- und Rückweg echt anstrengend war! Das Problem: auf dem Hinweg hatte der erste Bus Verspätung, weshalb wir unseren ersten Anschlussbus verpasst hatten. Alles halb so schlimm! - dachten wir. Der nächste Anschlussbus war so überfüllt, dass wir an der Bushaltestelle stehen gelassen wurden und ab dem Zeitpunkt kam ganz lange kein Bus, der in unsere Richtung fuhr. Dann nach zwei Stunden warten saßen wir aber zum Glück im Bus nach Tabgha.
Der Rückweg war ähnlich: bis nach Afula kamen wir wieder ohne Probleme, doch mal wieder war unser erster Bus verspätet, danach - so hieß es - sollte aber sicher noch ein Anschlussbus kommen. Oder auch nicht.. Nach zwei Stunden warten wurden die Israelis, die auf den gleichen Bus warteten, dann doch skeptisch, dass noch einer kommt. Uns blieb nichts anderes übrig, als das nächste Taxi nach Kiryat Tiv'on zu nehmen..

Trotzdem hat sich das Wochenende aber gelohnt, wir wären ja auch nicht in Israel, wenn immer alles geregelt ablaufen würde!

Am kommenden Wochenende ist noch ein Feiertag: Sukkot, das Laubhüttenfest. Deshalb ist diese Woche wieder recht kurz, einige fahren übers Wochenende nach Jerusalem. Ich kann leider nicht mit, weil ich ab Freitag Shabbat-Dienst habe und über die Feiertage hier nie Busse fahren, sodass ich Donnerstagabend wieder zurück wäre. Aber ich werde bestimmt noch öfter dorthin kommen! :)

Insgesamt kann man aber sagen, dass man schon einiges sieht! Auch außerhalb der Wochenenden. Wir haben hier eine recht gute Verbindung nach Haifa und manchmal bleibt auch die Zeit nach der Arbeit zum Strand zu fahren, um den Sonnenuntergang zu genießen.



Sonntag, 8. September 2013

Endlich in Israel!

Hallo ihr Lieben!

Nach knapp einer Woche hier in Israel hab auch ich es endlich geschafft die Zeit zu finden, einen Blog einzurichten!
Heute vor einer Woche war mein erster Tag hier in Kiryat Tivon, ein neues Zuhause, neue Eindrücke und ein komplett anderes Umfeld in einem anderen Land  - alles anfangs nicht ganz leicht.  Aber mittlerweile hatte ich die Zeit und dadurch die Möglichkeit mich ein wenig hier einzugewöhnen!
Die ersten beiden Tage musste ich noch nicht ins Kfar zum Arbeiten, also nutzten wir sie um uns ein wenig in unserer neuen WG einzurichten: zum Putzen, Koffer auspacken und natürlich zum Aufhängen der mitgebrachten Fotos unserer Liebsten.

Am Dienstag war dann mein erster Arbeitstag im Kfar, der bisher auch mein letzter war. Warum? Dazu später..
Mehr oder weniger ausgeschlafen fuhren wir "Neuankömmlinge" morgens gegen acht mit dem Transit zum Kfar, wo wir ein Meeting mit einer unserer Ansprechpartner hatten. Wir erfuhren ein wenig über die Arbeit und unseren Arbeitsplänen und wurden anschließend herumgeführt. Ich muss schon sagen, klein ist das Dorf auf jeden Fall nicht! Aber zum Glück auch nicht all zu groß, so grob weiß ich schon wo was ist.
Nach der Führung sind wir in verschiedene Workshops - dazu gehören die Filz- und Holzwerkstatt, der Garten, die Pinat Chai (Tierfarm), Kita Or (Werkstatt für etwas schwerer Behinderte) und Kita Oren (Werkstatt für ältere Behinderte). In jedem Workshops gibt es einen Workshopleiter und ein bis drei Volontäre, die die Member (Bewohner des Kfar) bei der Arbeit unterstützen.
Ich bin zur Kita Or gegangen und ich war echt überrascht, welch tolle Sachen dort hergestellt werden! Zum Beispiel wird dort von alten T-Shirts Garn hergestellt, woraus anschließend ganze Taschen, Teppiche, Tischsets usw. gehäkelt oder geknüpft werden. Sieht echt super aus!
Danach hatte ich einen Bringjob, das heißt, dass man einen Member von A nach B bringen muss, in dem Fall von der Werkstatt zur Chadar Ochel (Essenssaal). Nachmittags war Bowling, Einzelbetreuung, Spazieren mit den Leuten im Altenheim und Füttern der Tiere angesagt in der Pinat Chai angesagt. Alles in Allem hat das ganze echt Spaß gemacht! Danach musste ich noch bei der Essensausgabe helfen.
Und schon war mein erster Arbeitstag zu Ende.
Am nächsten Tag hatte ich gleich schon wieder frei, weil die Werkstatt in der ich helfen sollte schon wegen Rosh Hashana am Donnerstag zu hatte. Rosh Hashana ist das jüdische Neujahrsfest, wozu viele Member schon am Mittwoch nach Hause gefahren sind. Also hab ich den Tag ruhig angehen lassen und hab erstmal ausgeschlafen. Einige von den anderen Volos haben sich am Nachmittag auf den Weg nach Tel Aviv gemacht. Wir wollten abends eigentlich erst zum Strand nach Haifa fahren, aber leider sind keine Busse mehr dorthin gefahren. Irgendwoher hatte einer der restlichen Volontäre von einer Rosh Hashana - Party im nahegelegenen Ramat Yeshai gehört, also sind wir dorthin gefahren. Dort hatten wir dann nur nen irischen Pub gefunden, in dem später zu israelischer Popmusik getanzt wurde, war ein recht lustiger Abend - aber auch ein echt teurer Abend, denn ein halber Liter Bier kostet hier umgerechnet rund 7 Euro!



Donnerstag sind wir wegen Rosh Hashana nirgendwo hin gekommen, weshalb wir am Freitag überglücklich waren als wir in Nazareth angekommen waren und endlich mal was in Israel sehen konnten. Nazareth ist eine der größten arabischen Städte in Israel, also sind wir auf den arabischen Markt gegangen und haben uns die Moschee und einige Kirchen angeschaut, in denen nach verschiedenen Konfessionen Maria die Botschaft erhalten haben soll.
Gastfreundlichkeit wird hier echt groß geschrieben, also wurden wir auf dem Markt mit reichlich frischem Obst versorgt und wurden sogar in eine Kaffeerösterei eingeladen, wo wir frisch gerösteten arabischen Kaffee und arabische Anisplätzchen probieren durften - sehr lecker!

Gegen Abend wollten wir dann eigentlich den Bus nach Hause nehmen, es gab nur ein Problem: weil am Tag zuvor Rosh Hashana war, sind die Busse nicht planmäßig gefahren, also saßen wir eigentlich in Nazareth fest! Aber wir hatten echt Glück, dass wir am Nachmittag einen jungen deutschen Touristen kennengelernt hatten, der mit seinen Freunden momentan durch Israel reist. Seine beiden Freunde waren tagsüber in einem Nationalpark unterwegs, er war in Nazareth geblieben und hatte sich dann kurzerhand entschlossen, sich mit uns zusammen die Stadt anzuschauen. Jedenfalls hatten die drei sich ein Auto gemietet mit dem sie uns dann freundlicherweise nach Hause gefahren hatten - das war echt unsere Rettung!



Gestern waren wir den Tag über in Akko, eine wunderschöne alte arabische Hafenstadt am Mittelmeer mit einer schönen Moschee! Dort sind wir über den arabischen Markt gegangen, haben uns die Altstadt angeschaut und haben uns auf die Stadtmauern gesetzt, wo wir einen super Ausblick aufs Meer und auf Haifa hatten. Da war es auch echt angenehm, weil es sehr windig war. Nur ich hatte dadurch ein wenig die Sonne unterschätzt, weshalb ich jetzt einen Sonnenbrand hab. Ist aber alles nicht so schlimm wie es aussieht!
Abends haben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf die Altstadt und auf den Hafen genossen, echt schön!


Wie ihr seht, hab ich echt schon einiges erlebt. Morgen geh ich wieder arbeiten! Ich melde mich bald wieder, bis dahin: eure Miri