Samstag, 14. Dezember 2013

Die Weihnachtszeit in Israel

Weihnachten in Israel ist ruhig, besinnlich und besonders - denkt man. Eigentlich bekommt man vom ganzen Weihnachtstrubel zumindest hier im Norden Israels so gut wie nichts mit. Wir suchen schon förmlich nach Weihnachten und geben unser Bestes, uns in Weihnachtsstimmung zu begeben.

Daher haben wir unsere Wohnung schön weihnachtlich geschmückt, Adventskalender aufgestellt und sogar einen selbstgebastelten Adventskranz haben wir dank Malin auf unserem Wohnzimmertisch stehen. An manchen Abenden machen wir uns in unserer Volo-Runde Glühwein und essen dazu selbstgebackene Plätzchen.
Unglaublich gemütlich - während es draußen seit etwa einer Woche den ganzen Tag regnet, zudem ist es kalt, stürmisch und schlichtweg ungemütlich. Immerhin das Wetter erinnert also an ein schneefreies Weihnachten in Deutschland.

Wo ich gerade beim Schnee bin: dieses Wochenende gab es Schnee in Jerusalem! - und davon nicht wenig...
Eigentlich wollte ich zusammen mit Theresia an diesem Wochenende nach Jerusalem fahren und vielleicht auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Dafür hatte ich extra meinen Dienst getauscht und auch Theresia hatte sich Urlaub genommen. Einige Tage vorher wurde schon im Wetterbericht für Jerusalem Schnee angesagt, weshalb wir uns noch ein wenig mehr freuten, immerhin ist es schon was Besonderes die Heilige Stadt im Schnee zu sehen. So wie der Wetterbericht angekündigt hatte, fing es dann am Donnerstag an zu schneien - es schneite den ganzen Tag durch, die Medien sprachen sogar von einem "Schneetsunami". Und das ist nicht unbedingt übertrieben: es blieb etwa einen halben Meter hoher Schnee liegen - und damit auch das gesamte Verkehrsnetz. Der Highway, der nach Jerusalem führt wurde komplett gesperrt, Busse fuhren nicht mehr dorthin. So mussten wir unseren geplanten Ausflug also absagen. Gut für uns, denn die anderen Volontäre, die freitags nicht arbeiten müssen, nahmen am Donnerstagabend einen Bus nach Jerusalem - ohne zu wissen, dass dort so ein Schneechaos ist. Letztendlich haben verbrachten sie die Nacht 12 Stunden im Bus und mussten dazu noch eine halbe Stunde durch das Schneegestöber zum nächstbesten Hotel laufen. Die Straßenbahn fiel aus und man konnte nicht ein Bus oder Auto auf den Straßen sehen. Fast alle Geschäfte hatten geschlossen und auch die Schulen blieben zu. Für so viel Schnee ist man hier in Israel einfach nicht vorbereitet, es gibt keinen Winterdienst der die Straßen räumt oder Salz streut. Hier muss man schlichtweg warten, bis es vorbei ist.

So blieben wir hier, backten Plätzchen und Äpfel im Schlafrock, tranken Glühwein und schauten Filme. Statt Schnee, gab es hier Unmengen an Regen, Gewitter und Stürme - zudem war es extrem kalt, sodass man freiwillig nicht vor die Tür gegangen ist. Zwischendurch hatten wir zweimal für etwa eine Stunde im ganzen Wohngebiet Stromausfall.


Als "Alternativprogramm" sind wir heute Nachmittag nach Nazareth gefahren, wo wir auf den Weihnachtsmarkt gehen wollten - eigentlich! Schon vor Wochen wurde im Internet ein Weihnachtsmarkt in Nazareth angekündigt, der vom 11. - 15. Dezember vor der griechisch-orthodoxen Verkündigungskirche stattfinden sollte. Doch das einzige das wir dort sahen, war ein großer, geschmückter Weihnachtsbaum. Dann wurde uns erklärt, dass der Weihnachtsmarkt wegen dem Wetter auf die nächste Woche verschoben wurde. Nach einer Falafel fuhren wir dann - etwas enttäuscht - wieder zurück.


Kurz nach unserer Rückkehr kamen dann die anderen Volontäre unterkühlt und übermüdet mit einem Sonderzug aus Jerusalem wieder.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Ani ohevet Hanukka

Gerade ist Hanukka, das jüdische einwöchige Lichterfest bei dem an jedem Abend eine weitere Kerze der Hanukia, ein achtarmiger Leuchter, angezündet wird.

Der Hintergrund dieses Festes ist folgender: die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel durfte niemals erlöschen. Allerdings wurde nach der Zerstörung des ersten Tempels durch die Syrer nur noch ein Krug geweihtes Öl gefunden, das eigentlich für nur gerade mal einen Tag reichen konnte. Allerdings wurden für die Herstellung von neuem Öl acht Tage gebraucht. Wie durch ein Wunder reichte der Krug Öl acht Tage lang bis es neues gab.
Deshalb wird an Hanukka an jedem Abend des Festes eine Kerze der Hanukkia angezündet.

Die Hanukkia des Kfars wird angezündet
Nicht nur das Anzünden von je einer weiteren Kerze am Abend gehört zu Hanukka. Ebenso isst man in dieser einen Woche unglaublich viele Sufganiot (oder auch Berliner) in allen möglichen Variationen (es gibt ganze Bäckereien die in dieser Zeit nur Sufganiot herstellen), trinkt Apfelpunsch und spielt mit dem Dreidel um Schokoladenmünzen.
Der Grund warum es an diesem Fest so viele Sufganiot gibt liegt darin, dass sie in Öl gebacken werden. Generell wird während dieser Zeit insgesamt sehr ölhaltig gegessen.

Der Dreidel ist eine Art Kreisel mit dem vor allem die Kinder an Hanukka um Schokomünzen spielen. Auf den Seiten des Dreidels sind die hebräischen Buchstaben נ (nun), ג (gimel), ה (hei) und פ (pei) abgebildet, welche für den Satz "Nes gadol haja po - ein großes Wunder ist hier geschehen", stehen. Kauft man den Dreidel in einem anderen Land als Israel, so findet man anstelle des Buchstaben פ ein ש (schin), welches den Satz zu "Nes gadol haja scham - ein großes Wunder ist dort geschehen" ändert.
Das Spiel ist wie eine Art Glücksspiel: bevor der Dreidel gedreht wird, rät man welcher Buchstabe wohl oben liegt. Derjenige der richtig liegt bekommt Schokomünzen.

Natürlich haben auch wir im Kfar dieses Fest groß gefeiert, denn neben besonderen Freizeitangeboten - wie zum Beispiel das Dreidelspielen oder eine Fahrt zum Zirkus - gab es eine große Hanukka-Party.
Der Showbeitrag unserer deutsch-israelischen Volontärsgruppe:
ein traditionelles Hanukka-Lied
Dazu versammelten sich am ersten Hanukka-Abend alle Bewohner, Arbeiter und Volontäre in der Chadar Ochel, dem Sepisesaal des Kfars. Zur Einleitung sprach der Leiter des Kfars einige nette Worte, bevor die Kerzen der Hanukkia nacheinander von verschiedenen Leuten aus dem Kfar angezündet wurden. Jeder dieser Personen hat das Kfar in besonderer Weise geprägt, unter ihnen eine langjährige Sozialarbeiterin, Member, die seit der Gründung des Kfars dort wohnen, stellvertretend für alle deutschen Volontäre Theres und eine Spenderin. Danach gab es ein super organisiertes Programm mit Musikbeiträgen, Tanzauftritten und ein kleiner von den Workshopleitern aufgeführter Sketch. Natürlich begleiteten wir mit unserer Volontärsband auch den Memberchor.

Die Volontärsband
Aber natürlich unsere kleine Musikeinlage mit dem Memberchor auf der Hanukka-Feier des Kfars nicht die Einzige. Ein Tag später fuhren wir nach Ein Hashofet, einem nahegelegenen Kibbuz in dem der Großteil der Workshopleiter und auch Batia, unsere Musikleiterin, wohnen. Für uns eine ganz neue Erfahrung, schließlich gibt es solche Wohnstrukturen in Deutschland nicht. Wir fühlten uns wie auf einer großen Ferienanlage: dort gibt es nämlich auch einen Mittelpunkt, in dem Fall statt der Rezeption den Speisesaal in dem auch viele Feiern der Gemeinschaft stattfinden. Drumherum gibt es viele kleine aber feine Familienhäuser, die Vorgärten und Gartenanlagen sind alle schön hergerichtet und laden zum Verweilen ein. Auch einige Künstler schienen ihren Ideen in der Gestaltung des Kibbuz umgesetzt zu haben - insgesamt sehr beeindrucken und für Familien und ältere Ehepaare ein wunderschöner, ruhiger Ort zum Leben.
Der Memberchor
Die Hanukka-Feier lief ähnlich wie im Kfar ab: neben Musik- und Tanzeinlagen der Kibbuzbewohner wurde natürlich auch dort die Hanukkia angezündet. Und bevor ich es vergesse: natürlich gab es pfannfrische Sufganiot und Apfelpunsch - was wäre eine Hanukka-Feier auch ohne das?







Montag, 2. Dezember 2013

Tel Aviv

Nachdem wir einige Wochenenden bei uns "Zuhause" in Kiryat Tivon verbracht und hier ein bisschen die Umgebung erkundet hatten, fuhren wir letztes Wochenende nach Tel Aviv, um zwei Freiwillige von einem anderen Projekt zu besuchen.
Wir verbrachten einen ruhigen Freitagabend und Shabbat in Ramat Ha-Sharon, ein Vorort von Tel Aviv in dem die beiden wohnen, bevor wir uns am Sonntag frühmorgens auf den Weg ins Zentrum von Tel Aviv machten, um die Stadt zu erkunden.

Bisher kannte ich von Tel Aviv nur den Strand und aus der Erinnerung von vor vier Jahren auch ein wenig von der Altstadt von Jaffo, ich war also begeistert - und das nicht nur von den vielen schönen Hochhäusern. Nicht umsonst wird diese Stadt auch als das New York des Nahen Ostens bezeichnet.



Tel Aviv ist eine der wenigen Städte Israels in der wirklich Fahrrad gefahren wird um von A nach B zu kommen, es gibt sogar Fahrradstationen bei denen man sich gegen etwas Kleingeld für je eine halbe Stunde Fahrräder ausleihen kann - für mich ein kleiner Glücksmoment, da ich seit meiner Abreise nicht einmal wieder gefahren war. Blöd nur, dass wir das System nicht ganz verstanden hatten und daher das Fahrradfahren auf das nächste Mal verschoben hatten.

Nachdem wir die Promenade am Rothschild-Boulevard entlang geschlendert waren, stärkten wir uns mit einem guten Frühstück in einem der Cafés.

Danach gingen wir zum Karmeliten-Markt, bestehend aus einem Handarbeitsmarkt und einer Art arabischen Markts. Auf dem Handarbeitsmarkt verkauften Handwerker, Goldschmiede, Glasbläser (...etc) ihre Produkte, wobei wir auf dem arabischen Markt hauptsächlich frisches Obst, Gemüse, getrocknete Früchte und verschiedene Souvenirs finden konnten.
Neben exotischen Früchten, wie Maracuja, Pomela, Sternfrucht, Drachenfrucht usw, gab es sogar frische Erdbeeren - und das am 1. Dezember!

die schmalen Gassen der Altstadt von Jaffo
Nach einem kleinen Rundgang durch das künstlerische Stadtviertel Neve Tsedek, gingen wir am Strand entlang nach Jaffo, wo man in einem eher touristisch angelegten "Garten" eine wunderschöne Sicht auf die Skyline von Tel Aviv hat. Außerdem gingen wir über einen Teil vom Flohmarkt von Jaffo - neben kleinen Ständen mit Schmuck und Keramik, gibt es dort viele Second-Hand-Läden und alte Möbel.
Wir hätten gerne mehr Zeit dort verbracht, aber da wir seit frühem Morgen mit unseren nicht leichten Rucksäcken unterwegs und daher unglaublich müde waren, fuhren wir am späten Nachmittag wieder zurück.