Mittwoch, 18. September 2013

September - der Monat der Feiertage

Seit grade mal rund zweieinhalb Wochen bin ich im Lande und ein Feiertag folgt dem anderen. Das ganze begann mit Rosh Ha Shana, dem jüdischen Neujahr. Nach dieser Zeitrechnung befinden wir uns momentan im Jahr 5774!

Am letzten Wochenende, also zehn Tage nach Rosh Ha Shana, war Jom Kippur - der Versöhnungstag. An diesem Tag darf man weder Essen oder Trinken, noch Autofahren oder überhaupt in irgendeiner Weise arbeiten.
Für die gläubigen Juden heißt das also, dass man den ganzen Tag mit seiner Familie verbringt, redet oder liest. An diesem Tag sind die Straßen leergefegt und die Autobahnen gesperrt. Fahrradfahren ist allerdings erlaubt, deswegen machen viele Familien eine Radtour über die Autobahnen.

Der Ausblick auf den See Genezareth
Da wir das Wochenende nicht die ganze Zeit in unseren Wohnungen verbringen und mal was anderes sehen wollten, sind wir nach Tabgha, eine paradiesisch schöne Begegnungsstätte an einem deutschen Kloster am See Genezareth, gefahren. Dort leben auch einige Volontäre vom DVHL, meiner Entsendeorganisation, weshalb wir uns sehr auf das Wochenende gefreut hatten.
Viel von Jom Kippur haben wir dort aber nicht mitbekommen, weil die Begegnungsstätte recht weit außerhalb liegt und die Ruhe da an sich nichts besonderes ist. Wir haben die zwei Tage sehr genossen, saßen den ganzen Tag am Pool oder am See, haben gelesen und gegessen.
Erholung pur, die wir uns nach der langen Busfahrt auch echt verdient hatten.

 
Eigentlich ist Tabgha gar nicht so weit von Kiryat Tiv'on entfernt, ca. eine Stunde, und die Busverbindung ist normalerweise auch recht gut. Aber was ist hier in Israel schon normal?!
Von hier aus muss man einmal in Afula umsteigen, was für uns auf dem Hin- und Rückweg echt anstrengend war! Das Problem: auf dem Hinweg hatte der erste Bus Verspätung, weshalb wir unseren ersten Anschlussbus verpasst hatten. Alles halb so schlimm! - dachten wir. Der nächste Anschlussbus war so überfüllt, dass wir an der Bushaltestelle stehen gelassen wurden und ab dem Zeitpunkt kam ganz lange kein Bus, der in unsere Richtung fuhr. Dann nach zwei Stunden warten saßen wir aber zum Glück im Bus nach Tabgha.
Der Rückweg war ähnlich: bis nach Afula kamen wir wieder ohne Probleme, doch mal wieder war unser erster Bus verspätet, danach - so hieß es - sollte aber sicher noch ein Anschlussbus kommen. Oder auch nicht.. Nach zwei Stunden warten wurden die Israelis, die auf den gleichen Bus warteten, dann doch skeptisch, dass noch einer kommt. Uns blieb nichts anderes übrig, als das nächste Taxi nach Kiryat Tiv'on zu nehmen..

Trotzdem hat sich das Wochenende aber gelohnt, wir wären ja auch nicht in Israel, wenn immer alles geregelt ablaufen würde!

Am kommenden Wochenende ist noch ein Feiertag: Sukkot, das Laubhüttenfest. Deshalb ist diese Woche wieder recht kurz, einige fahren übers Wochenende nach Jerusalem. Ich kann leider nicht mit, weil ich ab Freitag Shabbat-Dienst habe und über die Feiertage hier nie Busse fahren, sodass ich Donnerstagabend wieder zurück wäre. Aber ich werde bestimmt noch öfter dorthin kommen! :)

Insgesamt kann man aber sagen, dass man schon einiges sieht! Auch außerhalb der Wochenenden. Wir haben hier eine recht gute Verbindung nach Haifa und manchmal bleibt auch die Zeit nach der Arbeit zum Strand zu fahren, um den Sonnenuntergang zu genießen.



Sonntag, 8. September 2013

Endlich in Israel!

Hallo ihr Lieben!

Nach knapp einer Woche hier in Israel hab auch ich es endlich geschafft die Zeit zu finden, einen Blog einzurichten!
Heute vor einer Woche war mein erster Tag hier in Kiryat Tivon, ein neues Zuhause, neue Eindrücke und ein komplett anderes Umfeld in einem anderen Land  - alles anfangs nicht ganz leicht.  Aber mittlerweile hatte ich die Zeit und dadurch die Möglichkeit mich ein wenig hier einzugewöhnen!
Die ersten beiden Tage musste ich noch nicht ins Kfar zum Arbeiten, also nutzten wir sie um uns ein wenig in unserer neuen WG einzurichten: zum Putzen, Koffer auspacken und natürlich zum Aufhängen der mitgebrachten Fotos unserer Liebsten.

Am Dienstag war dann mein erster Arbeitstag im Kfar, der bisher auch mein letzter war. Warum? Dazu später..
Mehr oder weniger ausgeschlafen fuhren wir "Neuankömmlinge" morgens gegen acht mit dem Transit zum Kfar, wo wir ein Meeting mit einer unserer Ansprechpartner hatten. Wir erfuhren ein wenig über die Arbeit und unseren Arbeitsplänen und wurden anschließend herumgeführt. Ich muss schon sagen, klein ist das Dorf auf jeden Fall nicht! Aber zum Glück auch nicht all zu groß, so grob weiß ich schon wo was ist.
Nach der Führung sind wir in verschiedene Workshops - dazu gehören die Filz- und Holzwerkstatt, der Garten, die Pinat Chai (Tierfarm), Kita Or (Werkstatt für etwas schwerer Behinderte) und Kita Oren (Werkstatt für ältere Behinderte). In jedem Workshops gibt es einen Workshopleiter und ein bis drei Volontäre, die die Member (Bewohner des Kfar) bei der Arbeit unterstützen.
Ich bin zur Kita Or gegangen und ich war echt überrascht, welch tolle Sachen dort hergestellt werden! Zum Beispiel wird dort von alten T-Shirts Garn hergestellt, woraus anschließend ganze Taschen, Teppiche, Tischsets usw. gehäkelt oder geknüpft werden. Sieht echt super aus!
Danach hatte ich einen Bringjob, das heißt, dass man einen Member von A nach B bringen muss, in dem Fall von der Werkstatt zur Chadar Ochel (Essenssaal). Nachmittags war Bowling, Einzelbetreuung, Spazieren mit den Leuten im Altenheim und Füttern der Tiere angesagt in der Pinat Chai angesagt. Alles in Allem hat das ganze echt Spaß gemacht! Danach musste ich noch bei der Essensausgabe helfen.
Und schon war mein erster Arbeitstag zu Ende.
Am nächsten Tag hatte ich gleich schon wieder frei, weil die Werkstatt in der ich helfen sollte schon wegen Rosh Hashana am Donnerstag zu hatte. Rosh Hashana ist das jüdische Neujahrsfest, wozu viele Member schon am Mittwoch nach Hause gefahren sind. Also hab ich den Tag ruhig angehen lassen und hab erstmal ausgeschlafen. Einige von den anderen Volos haben sich am Nachmittag auf den Weg nach Tel Aviv gemacht. Wir wollten abends eigentlich erst zum Strand nach Haifa fahren, aber leider sind keine Busse mehr dorthin gefahren. Irgendwoher hatte einer der restlichen Volontäre von einer Rosh Hashana - Party im nahegelegenen Ramat Yeshai gehört, also sind wir dorthin gefahren. Dort hatten wir dann nur nen irischen Pub gefunden, in dem später zu israelischer Popmusik getanzt wurde, war ein recht lustiger Abend - aber auch ein echt teurer Abend, denn ein halber Liter Bier kostet hier umgerechnet rund 7 Euro!



Donnerstag sind wir wegen Rosh Hashana nirgendwo hin gekommen, weshalb wir am Freitag überglücklich waren als wir in Nazareth angekommen waren und endlich mal was in Israel sehen konnten. Nazareth ist eine der größten arabischen Städte in Israel, also sind wir auf den arabischen Markt gegangen und haben uns die Moschee und einige Kirchen angeschaut, in denen nach verschiedenen Konfessionen Maria die Botschaft erhalten haben soll.
Gastfreundlichkeit wird hier echt groß geschrieben, also wurden wir auf dem Markt mit reichlich frischem Obst versorgt und wurden sogar in eine Kaffeerösterei eingeladen, wo wir frisch gerösteten arabischen Kaffee und arabische Anisplätzchen probieren durften - sehr lecker!

Gegen Abend wollten wir dann eigentlich den Bus nach Hause nehmen, es gab nur ein Problem: weil am Tag zuvor Rosh Hashana war, sind die Busse nicht planmäßig gefahren, also saßen wir eigentlich in Nazareth fest! Aber wir hatten echt Glück, dass wir am Nachmittag einen jungen deutschen Touristen kennengelernt hatten, der mit seinen Freunden momentan durch Israel reist. Seine beiden Freunde waren tagsüber in einem Nationalpark unterwegs, er war in Nazareth geblieben und hatte sich dann kurzerhand entschlossen, sich mit uns zusammen die Stadt anzuschauen. Jedenfalls hatten die drei sich ein Auto gemietet mit dem sie uns dann freundlicherweise nach Hause gefahren hatten - das war echt unsere Rettung!



Gestern waren wir den Tag über in Akko, eine wunderschöne alte arabische Hafenstadt am Mittelmeer mit einer schönen Moschee! Dort sind wir über den arabischen Markt gegangen, haben uns die Altstadt angeschaut und haben uns auf die Stadtmauern gesetzt, wo wir einen super Ausblick aufs Meer und auf Haifa hatten. Da war es auch echt angenehm, weil es sehr windig war. Nur ich hatte dadurch ein wenig die Sonne unterschätzt, weshalb ich jetzt einen Sonnenbrand hab. Ist aber alles nicht so schlimm wie es aussieht!
Abends haben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf die Altstadt und auf den Hafen genossen, echt schön!


Wie ihr seht, hab ich echt schon einiges erlebt. Morgen geh ich wieder arbeiten! Ich melde mich bald wieder, bis dahin: eure Miri